Spitzeln der Macht

Januar 21, 2011

Eine britische Anti-Terror-Einheit hat seit Mitte der 90er Jahre mit Undercover-Agenten Ökoaktivisten, Anarchistengruppen und Globalisierungsgegner bespitzelt. Die Enttarnung von mittlerweile vier V-Männern sorgt nun für eine heftige Debatte über den umstrittenen Einsatz, bei dem laut dem britischen Innenstaatssekretär Nick Herbert offenbar einiges „sehr schiefgelaufen“ sein dürfte.

Wie laut britischen Medienberichten mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen hervorgeht, haben sich die Agenten offenbar bestens in die Szene integriert und waren zum Teil maßgeblich an der Planung und Durchführung großer Protestaktionen tätig. „Nicht akzeptabel“ und „grob fahrlässig“ sei es laut John Murphy von der Association of Chief Police Officers (ACPO) zudem, dass die Undercover-Agenten offenbar intensive sexuelle Beziehungen zu ihren Zielpersonen pflegten.

Zielperson geheiratet

Innerhalb der Anti-Globalisierungsorganisation „Reclaim the Street“ war laut „Guardian“ etwa Jom Boyling alias Jim Sutton mehrere Jahre als V-Mann aktiv. Dort soll Boyling unter anderem 1999 in London an der Organisation der Protestkundgebung „Carnival Against Capitalism“ beteiligt gewesen sein, die zu den größten Anti-Kapitalismus-Demonstrationen der letzten 20 Jahre zählt. Boyling habe der Zeitung zufolge zunehmend eine Schlüsselrolle in der Organisation übernommen.
Für Schlagzeilen sorgte aber nicht zuletzt, dass der Polizist nach seinem Einsatz mit einer seiner Zielpersonen verheiratet gewesen war und eine Familie gegründet haben soll. Offen bleibt laut dem Nachrichtenmagazin „Times“ in diesem Zusammenhang, ob Boyling die Beziehung zu seiner mittlerweile geschiedenen Frau nur zum Sammeln von Informationen eingegangen ist.

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