Krisenmythos Griechenland

Mai 4, 2010

Mal wieder Tomasz Konicz: Genau wie Lehman Brothers nicht Krisenursache, sondern nur eine Erscheinungsform war, genau wie die „Finanzmarktkrise“ nur Oberflächenerscheinung der 40jährigen kapitalistischen Überakkumulationskrise seit den 70ern ist, genau so ist Griechenland nur das „schwächste Glied“ in einer Kette an hochverschuldeten Staaten. Konicz wird zwar höchst dubios, wenn er in Deutschland einen Hass der Volksgemeinschaft auf Griechenland sieht (und damit Parallelen zur Judenvernichtung zieht) oder am Schluss ein verschwommenes Bild eines neuen Weltkriegs malt – aber dafür erklärt und veranschaulicht er – auch mittels Grafiken – wunderbar, wie das deutsche Exportmodell Griechenland und die südeuropäischen Staaten niederkonkurriert hat. „Offensichtlich verhalten sich deutsche Überschüsse und die südeuropäischen Defizite nahezu spiegelverkehrt! … Die Überschüsse der deutschen Exportindustrie bilden aber die Defizite der importierenden Länder. Die unter Druck geratenen südlichen Volkswirtschaften der Eurozone, mussten ja irgendwie für die deutschen Waren aufkommen, die ihre Märkte überschwemmten. Dieses geschah über private oder staatliche Defizitbildung – also durch Verschuldung. Dabei waren es nicht zuletzt deutsche Finanzinstitute, die diese Defizitkonjunkturen vermittels großzügiger Kreditvergabe finanzierten. Deutsche Institute halten beispielsweise in Griechenland Forderungen in Höhe von 43 Milliarden US-Dollar. In Portugal sind es 47 Milliarden und in Spanien sind es sogar 240 Milliarden Dollar. Hier erst schließt sich der Kreis der besagten südeuropäischen Defizitkonjunkturen zu einem Defizitkreislauf.“

Krisenmythos Griechenland

Athens Schuldenkrise ist nicht Ursache, sondern lediglich Auslöser der neuesten Etappe einer seit Jahrzehnten schwelenden Krise

Die veröffentlichte Meinung in Deutschland hat einen neuen Krisen-Mythos geschaffen. Nun sollen es die faulen und korrupten Griechen sein, die sich durch die Manipulation statistischen Materials in die Eurozone mogelten, die europäische Einheitswährung an den Rand des Zusammenbruchs führten und künftig den hart arbeitenden Deutschen auf der Tasche liegen dürften. Endlich verfügt Deutschland über ein Feindbild, das nahezu alle Gesellschaftsschichten – vom exportfixierten Unternehmer bis zum prekarisierten Niedriglohnempfänger – im nationalistisch gesättigten Hass volksgemeinschaftlich vereint.

Das tausendfach in allen Medienorganen wiederholte Mantra geht in etwa folgendermaßen: [weiter auf telepolis.de – mit vielen Grafiken, Tabellen und Zahlen!]

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