Indymedia: Bericht vom autonomen 1. Mai 2010 in Innsbruck

Mai 2, 2010

Auf Indymedia hat jemand einen Bericht zur autonomen 1. Mai Kundgebung geschrieben. Lest selbst!

Erster Mai in Innsbruck – im Westen Nichts Neues?!

13.00, Franziskanerplatz; eine buntgescheckte Meute von etwa 50 bis 60 Menschen hat sich vor einer Musikanlage neben einigen Biertischen im Innsbrucker Zentrum versammelt. Auf Transparenten stehen die Slogans „Smash Capitalism“ und „Wir wollen kein Stück vom Kuchen, wir wollen die ganze Bäckerei“. Es gibt Kaffee, Kuchen und Eintopf für alle, das Angebot wird allerdings vorwiegend von den Teilnehmer_innen der Kundgebung in Anspruch genommen. Nur vereinzelt bringen Passant_innen den Mut auf, und lassen sich verköstigen. Aus der Anlage tönt laute Musik, die Gespräche schwierig macht, dennoch gibt es viele inhaltliche Gespräche sowohl unter den Protestierenden als auch mit interessierten Vorbeigehenden. Einzelne veteilen Flugblätter. Ein wahrlich spärlich ausgestatteter Tisch mit einigen „Wildcat“ Zeitschriften und drei Flyern sowie dem Aufruftext lädt schlecht und recht zum Lesen ein. Gelegentlich nehmen Frauen und Männer das Mikrophon zur Hand und halten Reden – das Konzept der Aktion beinhaltet einen Speakers Corner, der jedoch nur von insgesamt vier Personen genutzt wird, um antikapitalistische und antisexistische Themen anzusprechen.

Die Innsbrucker Autonome Linke hat es nach langer Pause wieder einmal auf die Straße geschafft, was an sich schon als Erfolg gewertet werden darf – aber kein Grund zum Jubeln, denn sich temporär Raum zu nehmen und mit Passant_innen zu diskutieren ist alles andere als direkt in das Wirtschaften und Handeln von Staat, Patriarchat und Kapital einzugreifen. So blieb die gesamte Kundgebung wiederum auf die „Szene“ bschränkt, auch wenn Flugblätter vor Fabriken verteilt wurden, und sich dort vor Ort Diskussionen ergaben, kam niemand der Betroffenen Arbeiter_innen. Die Themen der wenigen Reden waren an aktuelle, lokale und globale gesellschaftliche Ereignisse angelehnt, sei dies der Vulkanausbruch in Island, die Kurzarbeit in Tirol oder die Kämpfe der griechischen Proletarier_innen gegen die Abwälzung der Krisenkosten auf ihren Rücken.

Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, eine weitere Bewusstseinsbildungsaktion, die zwar beweist, dass die Autonome Linke in Innsbruck theoretisch gereift ist und in steigendem Maß Bezug zu gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen bzw. Kämpfen nimmt, aber eine entsprechende Praxis, ausgedrückt in eigenen Kämpfen und direkten Aktionen, scheint hier nicht ausgetragen zu werden. Immerhin eine Alternative zu österreichfahnenschwingenden Jungkommunisten, aber weit entfernt von politischer Sprengkraft. In diesem Sinne wurde das Treiben auch um 17.00 beendet und die Kundgebung aufgelöst.

Was bleibt ist ein Rekurs gegen die an die Transportautos verhängten Parkstrafen, Ausdruck der polizeilichen Ungunst der Anarchist_innen… Venceremos!

Artikel auf Indymedia

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