Flugblatt + Aufruf für eine Kundgebung am 1. Mai 2010

April 14, 2010

Ein paar Leute gehen auf die Straße und rufen andere dazu auf, sich daran zu beteiligen! Warum? Das steht im Flugblatt bzw. Aufruf für eine Kundgebung am 1. Mai 2010 in Innsbruck, Franziskanerplatz, 13 – 17 Uhr.

[Hier gibt es eine Version mit Layout im .pdf Format – zum selber ausdrucken und selber verteilen!]

WEHRT euch!

Was wir gerade erleben, gilt als größte und tiefste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Seit drei Jahren setzen Politiker_Innen, Unternehmer_Innen, Gewerkschafter_Innen und »Experten_Innen« alles daran, uns zu erklären, was da passiert und was wir dafür tun müssten, damit alles wieder besser wird. Seitdem haben sie zwei Dinge gemacht:

1. Steuergeld an Banken, Versicherungen und Betriebe verteilt, damit sie sich
2. immer mehr und noch weiter verschulden können.

Dazu haben die Zentralbanken Billionen an billigem Geld gedruckt, die Zinsen für Bank- und Unternehmenskredite weiter gesenkt, milliardenschwere Konjunkturpakete aufgesetzt, die Gemeinden bis ins Unendliche belastet, die Staatshaushalte bankrott gehen lassen. Das alles, um genau eines machen zu können: Alles soll so weitergehen wie bisher! Unser kaputtes Wirtschaftssystem schleppt sich seit 35 Jahren von der einen Krise in die nächste, die Abstände zwischen den Krisen werden immer kürzer und das Lebensniveau der Arbeiter_Innen rund um den Globus sinkt seit den 70ern kontinuierlich – während die Produktivität und die Profite der Unternehmen steigen, steigen und steigen!

Mittlerweile reden die Herrschenden von der »systemischen Gefahr«, die in solchen Dingern wie »Dubai«, »Griechenland« oder Obamas Versuch, die Banken zu regulieren, steckt. Mit Angstschweiß auf der Stirn versuchen sie einen Flächenbrand zu löschen, der an immer neuen Stellen aufflackert. Die Herrschenden sind ratlos und werden weiterhin alles tun, um an der Macht zu bleiben!

Es ist Zeit, die Dinge selber in die Hand zu nehmen!

Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem keine Reform, keine »Innovation« (Elektroauto!), kein Konjunkturpaket (Abwrackprämie!), keine Regierung (»Yes we can!«) und kein »Rettungspaket« mehr helfen können, dieses marode Wirtschaftssystem zu retten. Der Kapitalismus hat uns tatsächlich die letzten 200 Jahre lang mit seinen Glücks- und Wachstumsversprechen erpressen können.

Das kann er 2010 nicht mehr!

In den 1930er Jahren waren sich im Unterschied zu heute alle einig, wie man aus der »great depression« raus kam: Kapitalist_Innen, Sozialist_Innen, Nazis und US-Demokrat_Innen setzten auf die serielle Massenproduktion von langlebigen Konsumgütern und Maschinen. Das Fließband war schon eingeführt, sie mussten es nur noch durchsetzen. Dazu flankierten sie es mit nationalen Sozialstaaten und experimentierten mit Arbeitslagern. Heute sind solche »Innovationen« nicht in Sicht! Deshalb kann man die heutige Krise nur schlecht mit jener in den 30ern vergleichen. Sie ist eher vergleichbar mit der fünfjährigen »long depression« 1873-1878, die in eine zwanzigjährige Stagnation mündete.

Damals hielten viele Zeitgenoss_Innen den Kapitalismus für endgültig erledigt. Er kam aber aus der Krise heraus, indem er sich radikal verwandelte und das entstand, was man heute überhaupt unter »Kapitalismus« versteht: die industrielle Herstellung von langlebigen Produkten des Massenkonsums. Die wesentliche Innovation war das Fließband, weil jede_R an ihm arbeiten konnte. Die Ingenieure nannten es damals »Bauerngeschirr«, weil es mit ihm erstmals möglich war, frisch vom Land rekrutierte Arbeitskraft (Migrant_Innen oder Pendler_Innen) in die Fabrik zu stellen und die Macht der bisherigen Arbeiter_Innenklasse zu brechen.

Seitdem ist das Kapital vor den aufmüpfigen Arbeiter_Innen einmal um die ganze Welt geflüchtet – auf der Suche nach Profit und disziplinierten, billigen Arbeitskräften hat es den Globus in eine Fabrik verwandelt, die zwar vielen ein Auto, eine Waschmaschine und einen Kühlschrank ermöglicht, aber bei all dem produzierten Reichtum viel mehr Elend, Hunger, offene (Strom-, Miet-, Handy-) Rechnungen und eine Dritte Welt hinterlässt.

Aufgrund der Klassenkämpfe in den 1960ern (vor allem bei FIAT, Ford, Chrysler, …), die mit den antikolonialen Befreiungskämpfen in Afrika, Vietnam und Südamerika zusammen kamen, sind ihre unglaublichen Wachstums- und Profitraten (»Wirtschaftswunder!«) gesunken. Auf diesen hohen Raten beruhte der Sozialstaat, dessen Rückkehr sich heute so viele und vor allem Linke ersehnen. In ihrer Naivität vergessen sie, dass diese Profitraten unweigerlich verloren sind und dass die Sozialstaatsperiode die am stärksten von oben kommandierte Phase war. Eine Rückkehr ist nicht nur trügerisch, sie ist auch politisch falsch und aus unserer Sicht nicht wünschenswert!

Das nach Anlage suchende Kapital hat sich damals in die Finanzsphäre geflüchtet. Dort konnten die Kapitalist_Innen die letzten 35 Jahre schneller und leichter Profit machen. Sie dachten, sie könnten den »Faktor Mensch« umgehen! Damit haben sie uns vorgegaukelt, dass es

a) unendliches Wachstum gäbe und
b) Wachstum gleich Verbesserung der Lebensqualität bedeute.

Den Crash, der jetzt auf uns zukommt, haben sie seitdem hinausgeschoben. Sie haben sich den sozialen Frieden erlogen!

Die Sozialdemokratie und die kommunistischen Parteien haben seit ihrer Gründung dabei mitgespielt. Das »sozialistische/kommunistische Paradies« haben sie dauernd auf den Tag X geschoben. Damit haben sie alle verraten, die für den Aufbau einer besseren Welt gekämpft und gearbeitet haben. Heute glaubt diesen Märchen niemand mehr, die Organisationsformen der Parteien und Gewerkschaften (Stellvertreter_Innenpolitik!) sollten endlich der Geschichte angehören!

Stattdessen sollten wir selbst zusehen, dass wir die Dinge ins Laufen bekommen: Im Iran und Griechenland koordinieren die Leute ihren Widerstand in großen Teilen selbst, in Deutschland, Spanien und Italien gründen sie Arbeiter_Innenkommitees und organisieren Streiks und andere Aktionen.

Damit wir voneinander erfahren und mitbekommen, müssen wir …

Orte schaffen

… an denen wir uns treffen können! Denn Vereinzelung funktioniert erstmal darüber, dass man nichts voneinander mitkriegt! Und das sind nicht nur Kämpfe wie der Aufstand im Südirak rund um das Ahdad-Ölfeld im April 2009, sondern auch die reihenweise kaputtgehenden Kleinbetriebe im Automobilsektor, verschwiegene Entlassungen bei Swarovski oder unglaubliche Enteignungsaktionen wie in Osttirol, wo Arbeiter_Innen der Firma Hella um ihre Abfertigung betrogen wurden!

Wir tragen mit dieser Kundgebung dazu bei, dass wir unsere Ideen und Anliegen öffentlich diskutieren können. Gegen die Öffentlichkeit der bürgerlichen Medien, die nur beschwichtigen und die oben erwähnten Lügen der Politiker_Innen zitieren, müssen wir unsere eigene Öffentlichkeit schaffen! Unsere Öffentlichkeit ist kollektiv und auf der Straße!

Nur wenn wir zusammen kommen, haben wir die Macht, unser kollektives Elend umzudrehen – die Sparpläne (Lohnsenkung, Kurz- und Leiharbeit, Erhöhung der Mehrwertsteuer, Erhöhung des Pensionsalters, höhere Gebühren, höhere Mieten und Lebenserhaltungskosten!) bekämpfen und deutlich machen:

Über 200 Jahre Kapitalismus sind genug!

Wir glauben, dass dieses System sehr wohl veränderbar ist und lassen uns nicht sagen, dass es »keine Alternative« gibt!

Solidarität mit der griechischen Arbeiter_Innenklasse und allen, die für eine bessere Welt kämpfen!

Ihr Kampf ist auch unserer!

KUNDGEBUNG
Samstag 1. Mai 2010
FRANZISKANERPLATZ
13:00 UHR

Teil dich am offenen Mikrofon mit! Für leibliches Wohl ist gesorgt!

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