Archive for April, 2010

zum 1. Mai ;-)

April 30, 2010
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Autonomes Frauen Lesben Zentrum: DEMO am 30.4.2010

April 29, 2010

30. APRIL: DEMO GEGEN DIE SUBVENTIONSKÜRZUNGEN
„UNS REICHTS! EUCH AUCH?“

Die Streichungen und Kürzungen sind Symptom einer haarsträubenden Ungleichheit zwischen Männern und Frauen. Gleichbehandlung ist dem Land Tirol nichts wert.

Diskriminierung von Frauen, Lebens- und Arbeitssituation von Migrantinnen und prekär Beschäftigten, Gewalt gegen Frauen, Ungleichverteilung von Ressourcen sowie politischer Macht, die Situation von Lesben in Tirol – Themen gibt es genug!

Treffpunkt im Waltherpark (Innsbruck) um 20 Uhr – Verkleidungen, Lärminstrumente und Lichtquellen mitbringen!

www.frauenlesbenzentrum.at

Terrorgesetz: Was man künftig noch sagen darf

April 21, 2010

In der heutigen Presse formuliert Rosemarie Schwaiger ihre Bedenken über das neue Anti-Terrorgesetz, das gestern beschlossen wurde – hat das jemand mitbekommen? Die Macht der Mächtigen bröselt. Solche Gesetze sind Ausdruck der panischen Angst der Herrschenden vor Kontrollverlust und Ausdruck davon, dass sie alles nur Erdenkliche mobilisieren, um an der Macht zu bleiben.

Terrorgesetz: Was man künftig noch sagen darf

Schon das „Gutheißen“ terroristischer Aktivitäten wird mit dem neuen Terrorgesetz unter Strafe gestellt. Auch der Blondinenwitz könnte ein Fall für die Gerichte werden.

Die Angelegenheit war Vizekanzler Josef Pröll nur ein paar kurze Sätze wert: „Wir haben das Terrorismuspräventionsgesetz beschlossen“, sagte er am Dienstag nach dem Ministerrat. „Die Regierung hat damit ein klares Signal gesetzt.“ Nach dem Beschluss im Parlament soll das neue Gesetz am 1. August 2010 in Kraft treten. Manches geht ja auch schnell in dieser Regierung.

Verboten ist in Zukunft unter anderem die Teilnahme an Terrorcamps oder andere Arten der Ausbildung für terroristische Zwecke. Der Strafrahmen ist durchaus ambitioniert: Lehrer in Terrorcamps sollen bis zu zehn Jahre Haft ausfassen, Schüler bis zu fünf Jahre.

Was ist Terror, wo beginnt er?

weiter auf diepresse.com.

Griechenland: Creta TV von AnarchistInnen besetzt

April 17, 2010

Am Donnerstag 15. April fanden Griechenlandweit Soli-Aktionen gegen die Verhaftung von Marios Zervas statt. 4000 AnarchistInnen demonstrierten in Athen und besetzten „Creta TV“.

Mehr Infos auf Occupied London

Flugblatt + Aufruf für eine Kundgebung am 1. Mai 2010

April 14, 2010

Ein paar Leute gehen auf die Straße und rufen andere dazu auf, sich daran zu beteiligen! Warum? Das steht im Flugblatt bzw. Aufruf für eine Kundgebung am 1. Mai 2010 in Innsbruck, Franziskanerplatz, 13 – 17 Uhr.

[Hier gibt es eine Version mit Layout im .pdf Format – zum selber ausdrucken und selber verteilen!]

WEHRT euch!

Was wir gerade erleben, gilt als größte und tiefste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Seit drei Jahren setzen Politiker_Innen, Unternehmer_Innen, Gewerkschafter_Innen und »Experten_Innen« alles daran, uns zu erklären, was da passiert und was wir dafür tun müssten, damit alles wieder besser wird. Seitdem haben sie zwei Dinge gemacht:

1. Steuergeld an Banken, Versicherungen und Betriebe verteilt, damit sie sich
2. immer mehr und noch weiter verschulden können.

Dazu haben die Zentralbanken Billionen an billigem Geld gedruckt, die Zinsen für Bank- und Unternehmenskredite weiter gesenkt, milliardenschwere Konjunkturpakete aufgesetzt, die Gemeinden bis ins Unendliche belastet, die Staatshaushalte bankrott gehen lassen. Das alles, um genau eines machen zu können: Alles soll so weitergehen wie bisher! Unser kaputtes Wirtschaftssystem schleppt sich seit 35 Jahren von der einen Krise in die nächste, die Abstände zwischen den Krisen werden immer kürzer und das Lebensniveau der Arbeiter_Innen rund um den Globus sinkt seit den 70ern kontinuierlich – während die Produktivität und die Profite der Unternehmen steigen, steigen und steigen!

Mittlerweile reden die Herrschenden von der »systemischen Gefahr«, die in solchen Dingern wie »Dubai«, »Griechenland« oder Obamas Versuch, die Banken zu regulieren, steckt. Mit Angstschweiß auf der Stirn versuchen sie einen Flächenbrand zu löschen, der an immer neuen Stellen aufflackert. Die Herrschenden sind ratlos und werden weiterhin alles tun, um an der Macht zu bleiben!

Es ist Zeit, die Dinge selber in die Hand zu nehmen!

Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem keine Reform, keine »Innovation« (Elektroauto!), kein Konjunkturpaket (Abwrackprämie!), keine Regierung (»Yes we can!«) und kein »Rettungspaket« mehr helfen können, dieses marode Wirtschaftssystem zu retten. Der Kapitalismus hat uns tatsächlich die letzten 200 Jahre lang mit seinen Glücks- und Wachstumsversprechen erpressen können.

Das kann er 2010 nicht mehr!

In den 1930er Jahren waren sich im Unterschied zu heute alle einig, wie man aus der »great depression« raus kam: Kapitalist_Innen, Sozialist_Innen, Nazis und US-Demokrat_Innen setzten auf die serielle Massenproduktion von langlebigen Konsumgütern und Maschinen. Das Fließband war schon eingeführt, sie mussten es nur noch durchsetzen. Dazu flankierten sie es mit nationalen Sozialstaaten und experimentierten mit Arbeitslagern. Heute sind solche »Innovationen« nicht in Sicht! Deshalb kann man die heutige Krise nur schlecht mit jener in den 30ern vergleichen. Sie ist eher vergleichbar mit der fünfjährigen »long depression« 1873-1878, die in eine zwanzigjährige Stagnation mündete.

Damals hielten viele Zeitgenoss_Innen den Kapitalismus für endgültig erledigt. Er kam aber aus der Krise heraus, indem er sich radikal verwandelte und das entstand, was man heute überhaupt unter »Kapitalismus« versteht: die industrielle Herstellung von langlebigen Produkten des Massenkonsums. Die wesentliche Innovation war das Fließband, weil jede_R an ihm arbeiten konnte. Die Ingenieure nannten es damals »Bauerngeschirr«, weil es mit ihm erstmals möglich war, frisch vom Land rekrutierte Arbeitskraft (Migrant_Innen oder Pendler_Innen) in die Fabrik zu stellen und die Macht der bisherigen Arbeiter_Innenklasse zu brechen.

Seitdem ist das Kapital vor den aufmüpfigen Arbeiter_Innen einmal um die ganze Welt geflüchtet – auf der Suche nach Profit und disziplinierten, billigen Arbeitskräften hat es den Globus in eine Fabrik verwandelt, die zwar vielen ein Auto, eine Waschmaschine und einen Kühlschrank ermöglicht, aber bei all dem produzierten Reichtum viel mehr Elend, Hunger, offene (Strom-, Miet-, Handy-) Rechnungen und eine Dritte Welt hinterlässt.

Aufgrund der Klassenkämpfe in den 1960ern (vor allem bei FIAT, Ford, Chrysler, …), die mit den antikolonialen Befreiungskämpfen in Afrika, Vietnam und Südamerika zusammen kamen, sind ihre unglaublichen Wachstums- und Profitraten (»Wirtschaftswunder!«) gesunken. Auf diesen hohen Raten beruhte der Sozialstaat, dessen Rückkehr sich heute so viele und vor allem Linke ersehnen. In ihrer Naivität vergessen sie, dass diese Profitraten unweigerlich verloren sind und dass die Sozialstaatsperiode die am stärksten von oben kommandierte Phase war. Eine Rückkehr ist nicht nur trügerisch, sie ist auch politisch falsch und aus unserer Sicht nicht wünschenswert!

Das nach Anlage suchende Kapital hat sich damals in die Finanzsphäre geflüchtet. Dort konnten die Kapitalist_Innen die letzten 35 Jahre schneller und leichter Profit machen. Sie dachten, sie könnten den »Faktor Mensch« umgehen! Damit haben sie uns vorgegaukelt, dass es

a) unendliches Wachstum gäbe und
b) Wachstum gleich Verbesserung der Lebensqualität bedeute.

Den Crash, der jetzt auf uns zukommt, haben sie seitdem hinausgeschoben. Sie haben sich den sozialen Frieden erlogen!

Die Sozialdemokratie und die kommunistischen Parteien haben seit ihrer Gründung dabei mitgespielt. Das »sozialistische/kommunistische Paradies« haben sie dauernd auf den Tag X geschoben. Damit haben sie alle verraten, die für den Aufbau einer besseren Welt gekämpft und gearbeitet haben. Heute glaubt diesen Märchen niemand mehr, die Organisationsformen der Parteien und Gewerkschaften (Stellvertreter_Innenpolitik!) sollten endlich der Geschichte angehören!

Stattdessen sollten wir selbst zusehen, dass wir die Dinge ins Laufen bekommen: Im Iran und Griechenland koordinieren die Leute ihren Widerstand in großen Teilen selbst, in Deutschland, Spanien und Italien gründen sie Arbeiter_Innenkommitees und organisieren Streiks und andere Aktionen.

Damit wir voneinander erfahren und mitbekommen, müssen wir …

Orte schaffen

… an denen wir uns treffen können! Denn Vereinzelung funktioniert erstmal darüber, dass man nichts voneinander mitkriegt! Und das sind nicht nur Kämpfe wie der Aufstand im Südirak rund um das Ahdad-Ölfeld im April 2009, sondern auch die reihenweise kaputtgehenden Kleinbetriebe im Automobilsektor, verschwiegene Entlassungen bei Swarovski oder unglaubliche Enteignungsaktionen wie in Osttirol, wo Arbeiter_Innen der Firma Hella um ihre Abfertigung betrogen wurden!

Wir tragen mit dieser Kundgebung dazu bei, dass wir unsere Ideen und Anliegen öffentlich diskutieren können. Gegen die Öffentlichkeit der bürgerlichen Medien, die nur beschwichtigen und die oben erwähnten Lügen der Politiker_Innen zitieren, müssen wir unsere eigene Öffentlichkeit schaffen! Unsere Öffentlichkeit ist kollektiv und auf der Straße!

Nur wenn wir zusammen kommen, haben wir die Macht, unser kollektives Elend umzudrehen – die Sparpläne (Lohnsenkung, Kurz- und Leiharbeit, Erhöhung der Mehrwertsteuer, Erhöhung des Pensionsalters, höhere Gebühren, höhere Mieten und Lebenserhaltungskosten!) bekämpfen und deutlich machen:

Über 200 Jahre Kapitalismus sind genug!

Wir glauben, dass dieses System sehr wohl veränderbar ist und lassen uns nicht sagen, dass es »keine Alternative« gibt!

Solidarität mit der griechischen Arbeiter_Innenklasse und allen, die für eine bessere Welt kämpfen!

Ihr Kampf ist auch unserer!

KUNDGEBUNG
Samstag 1. Mai 2010
FRANZISKANERPLATZ
13:00 UHR

Teil dich am offenen Mikrofon mit! Für leibliches Wohl ist gesorgt!

Life cycle: Romano Alquati tot

April 7, 2010

Am Samstag verstarb der italienische Marxist/Operaist Romano Alquati, der vor allem in den 60ern einen unglaublichen Beitrag zur Erneuerung des Marxismus und der ArbeiterInnenbewegung leistete – aus seinen militanten Untersuchungen bei OLIVETTI und FIAT kann man noch heute lernen! Einen Nachruf von Gigi Roggero wollen wir euch nicht vorenthalten:

The last Saturday Romano Alquati has passed away, he was 75.
Operaist Freedom
For Romano Alquati

Gigi Roggero [Translation by Silvia Federici]

“Look, you went to the wrong floor” Romano Alquati would answer at the beginning of the 1990s to a leftist student who wanted to write a dissertation on (factory) workers. If you want to write a dissertation on (factory) workers you should go to the second floor, to “ Archeology.” Like the “rude pagan race” [Tronti’s description of the mass worker], Alquati had no gods and refused myths. The cult of the past is a wretched thing. When he arrived in Torino in 1960, after growing up in Cremona and having lived in Milano in the commune of via Sirtori 2 (a true cultural and intellectual crucible of the ‘50s and ‘60s, meeting point of Phenomenology and Marxism, international cross-road of philosophers and revolutionaries), Romano, like the politically and humanly exceptional generation that would give life to operaism, was not in search of a metaphysical, disembodied subject, heroic custodian of the general interest. “There have been and there are still a populist and welfarist operaism (of Christian origin), a trade-unionist operaism, a combination of both, whose characteristic was considering (factory) workers “the weak section” of the population, thus in need of help. These operaists love (factory) workers, the very condition of being a factory worker. The ‘political’ operaists, instead, were interested in proletarian workers because, against all universalisms, they saw them as strong, a power.”

Alquati went to Torino not to cry over cardboard suitcases, but in search of an antagonistic power. The conflict in front of him was no longer between below and above, but between workers and capital. Power against power. To the scandal of the leftist intellectuals and party leaders, the mass-worker did not sacrifice for universal justice, did not have conscience and ideals, but wanted more money and less work. The working class liberated itself only by extinguishing itself, refusing work and the identity of oppressed. For this reason it was an extraordinary cycle of struggles. Humanism died forever in the wildcats of Mirafiori and among the rivers of Porto Marghera.

In those years of the Italian transitions to taylorism and fordism no one was interested in factory workers. The CPI (Italian Communist Party) has chosen to chase the “middle class: half a century later they have neither caught up with them nor have found them. The union, after the defeat of FIOM [Federation Metalmechanic Workers] at FIAT in ’53, believed the game was over: it believed the working was completely integrated, according to the mantra of a sort of Frankurt School idea but in an opportunistic way.

There was no sociology of work — it did not even exist in Italy– studying the factory. In fact when Romano and the other young militants of the Red Notebooks (Quaderni Rossi) and then Working Class (Classe Operaia) began to do conricerca they were contemptuously labeled anarco-sociolist, both by the Marxists who had no need of bourgeois science and by the academics who were the rentiers of bourgeois science. The conresearchers , instead, studied the global literature of the social sciences in order to understand and anticipate the struggles, for only from a partial viewpoint you can see the whole. And there they found the formation of class composition (On Fiat and Other Writings remains a fundamental text to comprehend it. More than that: they organized themselves within it. For conricerca has never been for Romano a “research from below”: either it was the organization of workers’ autonomy, or it did not exist. He had no populist ideal of horizontalism: the prefix “con” meant to question the borders between the production of knowledge and political subjectivity, science and conflict. It was not simply a matter of knowledge but the organization of a threat. Conricerca was working class science. At the same time, there would not be any sociology work in Italy today without that experience. Radically bypassing it, they invented sociology.

But in no way Alquati wanted to be called the inventor of conricerca. “ Political militants have always done conricerca. We would go in front of the factory and speak with workers: there cannot be organization otherwise. If I put shoes on and find a street full of stones, I cannot say I invented them.”

In fact Conricerca is above all a political methodology. Here the traditional categories of spontaneity and organization loose their consistency. “Spontaneity was organized.” But nothing was achieved once for all. The operaists had broken with the Marxist and Leninist tradition to reread Marx and Lenin within the new composition of living labor. And in this way they grasped the breach represented by the mass-worker, witch was also a clash within the class producing something that previously did not exist.

Operaism, like conricerca, essentially is this : the methodology of a constitutive breach. Never a thinking at the margins, always the political culture of a transformative power –organization of a development proceeding by leaps. In the 1970s the task was to make a leap again. Romano’s research with the new intellectual proletariat (just think of Universita’ di ceto medio/ Middle Class University) is the future perfect of the contemporary class composition.
A crystal clear wording, formative in the best sense of the word. A difficult, tortuous writing. “ It is not my fault if there are less and less people who can read” was his answer. The same was the case with the pictures he painted, that were covered with glass because they were always modified and ready to be made more complex by new designs and paint strokes. They were not art works, but a process continuously open to its transformation.

Thus, breaking your head again and again over every line of one of Romano’s texts (those of the ’90 on conricerca, subjectivity and the transformations of the university, knowledge and work, though they have circulated very little or are unpublished, are extremely precious) you could see something you had not seen before. And when you thought you had understood something, you were displaced and forced to proceed on a new terrain. Once again you had to make a leap. “They are not books” —he would say— “but machines.” War machines. Adding:” I never said I would write for everybody.”

Of course. In a famous passage of The Eighteen Brumaire, Marx says that the beginner who has just learnt a language continuously retranslates it into his mother tongue, but does not succeed in possessing its spirit and express himself freely in it until he can move within it without reminiscences, forgetting in it his original language. Let us those disapprove then who are only preoccupied with measuring the scientificity of research with numbers and statistics and measure politics by the enlisted and the general interest. It is their loss. Alquati taught us that the problem is to grasp the truth, not to describe it. For the capacity to anticipate a tendency is not an intellectual artifice but the compass of the militant and the condition for the possibility of organization. Thank you Romano for having taught us this new language. And to have taught us that to possess it one has to constantly leap to re-invent it. This is why we will always be free and they will never take us.

GB: Im Vorhof der Hölle

April 3, 2010

Für die am 2. Juni 2010 erscheinende Wildcat 87 wurde ein Artikel über Großbritannien geschrieben, der Krise, Klassenkampf, Rassismus, Überwachung/Repression und Vereinzelung zusammen zieht. Erwartet uns dasselbe?

Im Vorhof der Hölle

Die Wirtschaft ist in der Krise, so wie es sich in einem wirtschaftlichen Krisengebiet gehört
Elfriede Jelinek

Manchmal, Stimpy, staune ich über dein reiches Unwissen!
Ren Hoek

Statistik von Credit Action UK, Februar 2010:
Jeden Tag werden 1841 Beschäftigte entlassen (auf dem Höhepunkt im August 2009 waren es 3300 pro Tag), alle 11,4 Minuten wird eine Wohnung zwangsgeräumt, alle 3,69 Minuten meldet jemand Privatinsolvenz oder Bankrott an, jeder Haushalt hat durchschnittlich 58.040 Pfund Schulden, jeden Tag steigt die Staatsverschuldung um 384,9 Millionen Pfund.

Im April 2009 gab das britische Justizministerium Pläne für den Bau einer neuen JVA mit 1500 Plätzen auf dem Gelände des früheren Ford-Werks in Dagenham bekannt.1 Besser hätte man nicht zusammenfassen können, was das Proletariat von der herrschenden Krisenpolitik zu erwarten hat. Aber am Fortgang der Geschichte zeigt sich auch die gleichzeitige Eindämmung und Vertiefung der sozialen Spannungen im Lauf des letzten Jahres. In Dagenham hat der Staat nach einer großen Kampagne des dortigen Labour-Abgeordneten und des Stadtrats letztlich im Einzelfall nachgege­ben: Dieses konkrete Gewerbegebiet wird also nicht von einem Knast verschandelt, aber anderswo sind weiterhin genau dieselben Projekte geplant, und die Regierung wird ihr »Versprechen« halten und 96.000 Menschen einsperren. Die Wildcat-These vom März 2009 – »die Krisenmaßnahmen der Herrschenden zielen bisher nicht auf einen Wiederaufschwung, sondern darauf, politisch zu über­leben«2 – hat sich inzwischen praktisch bestätigt. Für ArbeiterInnen und LeistungsempfängerInnen geht die materielle Verschlechterung des Lebens weiter: Hunderttausende haben Job, Lohn, Wohnung, Arbeitslosenunterstützung, öffentliche Dienstleistungen und vor allem den sicheren, zukünftigen Anspruch darauf verloren. Aber die Auswirkungen kommen zeitlich und räumlich gestreckt an und betreffen immer nur einzelne sich selbst als solche verstehende soziale Gruppen. Dementsprechend uneinheitlich waren die bisherigen Kampfversuche. Gesellschaftlich konzentrier­te – und somit kollektiv erfahrbare – »Schocks« wurden auf eine nahe, aber unbestimmte Zukunft vertagt. Anscheinend ist die Erfahrung, selber von einem »aufstrebenden« (aspirational3) über einen proletarisierten zu einem »sozial ausgegrenzten« Status (den Knast vor Augen) abzustürzen, noch nicht so weit verallgemeinert, dass der verbreitete Glauben erschüttert würde, wer abstürzt, sei mindestens zum Teil selber schuld.

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Griechenland: There’s only one thing left …

April 1, 2010

Die beste Analyse kommt von der griechischen Klassenfront: „A report on the working class struggles against austerity measures in Greece by Proles and Poor’s Credit Rating Agency aka TPTG a greek autonomous communist group.“

There’s only one thing left to settle: our accounts with capital and its state – TPTG

In periods of crisis, such as the current period of overaccumulation crisis, capitalists use the politics of “public debt” in order to devise new ways to intensify exploitation. In contrast with capitalist upturns when the private debt is increased, downturns are characterized by the increase of the “public debt”. Private investment in state bonds ensures profits which are extracted from the direct and indirect taxation of the workers, aiming towards interest repayments, and leading, ultimately, to the reinforcement of the banking sector capital. Therefore, the “public debt”, contrary to what is usually said, provides help to private capital and, in this respect, should be counted in its profits.

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