Explosive Streikwelle in Ägypten?

November 25, 2009

Auf der World Socialist Website schreibt Johannes Stern über Kämpfe in Ägypten. Dabei verhalten sich die ArbeiterInnen gleich wie ihre KollegInnen in Frankreich und Italien (Bossnapping, Besetzungen, etc.).

Streiks in Ägypten

„Es ist wie eine Zeitbombe – man weiß nicht, wann es zur Explosion kommen wird.“ Mit diesen Worten beschreibt der ägyptische Politikwissenschaftler Hassan Nafaa die Streik- und Protestwelle, die Ägypten in diesem Jahr erfasst hat. Nach verschiedenen Zählungen hat es bereits mehr als 600 Streiks und Sit-Ins gegeben. In den Monaten September und Oktober wurden fast täglich Proteste von Arbeitern gemeldet, und insgesamt legten Tausende ihre Arbeit nieder, um gegen schlechte Arbeitsbedingungen und geringe oder nicht ausgezahlte Löhne zu protestieren. Ägyptische Blogger und Zeitungen haben regelmäßig von den Protesten berichtet.

Am 17. September gingen 3.500 Textilarbeiter der Abu Sabae-Fabrik in der Industriestadt Mahalla al-Kubra auf die Straße. Sie zogen vor das Haus des Besitzers der Fabrik, Ismail Abu Sabae, um dort für eine halbe Stunde ihren Lohn einzufordern und gegen einen zweiwöchigen, unbezahlten Zwangsurlaub zu demonstrieren. Später setzten die Arbeiter ihren Protestzug Richtung Stadtverwaltung fort und legten den Verkehr auf der al-Bahr Hauptstraße lahm, bis sie von Sicherheitskräften gestoppt wurden. Der Blogger Mohammed Maree, der über den Protest berichtete, wurde von den Sicherheitseinheiten mit Arrest und der Konfiszierung seines Materials bedroht. Er war bereits nach den großen Demonstrationen in Mahalla am 6. und 7. April 2008 für drei Monate inhaftiert worden, als er ebenfalls über die Proteste schrieb.

Nach einem Bericht der unabhängigen Tageszeitung al-Masry al-Youm traten Anfang Oktober 1.200 Arbeiter der privatisierten Telephones Equipment Company in Helwan, einem Stadtteil im Süden von Kairo, in einen zwölftägigen Streik. Die Arbeiter nahmen die Geschäftführung als Geiseln. Sicherheitseinheiten, die die Fabrik umstellten, waren nicht in der Lage, die Arbeiter zur Beendigung der Geiselnahme zu bewegen. Die Geiseln wurden erst wieder frei gelassen, nachdem die Ministerin für Arbeit und Migration, Aisha Abdel Hadi, die sofortige Auszahlung der Löhne und Bonuszahlungen offiziell zugesichert hatte.

Im selben Zeitraum hatten 1.500 Arbeiter der Misr-Iran Spinning and Weaving Company in Mahalla al-Kubra ihre Arbeit niedergelegt und ebenfalls Teile der Firmenleitung festgesetzt. Das Management hatte die Lohnzahlungen an die Arbeiter mit der Begründung eingestellt, dass diese nach einem Rückgang der Verkäufe schlicht nicht möglich seien.

Am 12. Oktober begannen Arbeiter einen weiteren Streik in einer Textilfabrik der industriellen Freihandelszone „10th of Ramadan“. Hier verweigerte das Arbeitsministerium die Auszahlung der Löhne. Die Arbeiter beendeten am 19. Oktober ihren Streik, nachdem das Ministerium versprochen hatte, die Löhne aus einem Sonderfonds zu bezahlen.

Am gleichen Tag organisierten 1.200 Arbeiter von Misr Spinning and Weaving in Mahalla nach Beendigung der Frühschicht ein Sit-in, nachdem das Management die Auszahlung eines zusätzlichen Monatsgehalts verweigert hatte, die das Ministerium für Investitionen allen Arbeitern im nationalen Wirtschaftssektor zugesichert hatte. Nur vier Tage zuvor hatten bereits Arbeiter einer Teppichfabrik in Mahalla aus demselben Grund protestiert. Der Geschäftsführer von Spinning and Weaving bot den Arbeitern lediglich einen Drittel des ihnen zustehenden Gehalts an. Kurz darauf wurde dann auch dieses Angebot wieder zurückgezogen.

Am 22. Oktober berichtete …

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