Archive for 8. Oktober 2009

Hausbesetzung in Wien!

Oktober 8, 2009

von Indymedia – Wir solidarisieren uns mit der Besetzung und veröffentlichen den Text vom „NachbarInnenflyer“. Liebe Grüße an dieser Stelle nach Wien!

Hausprojekteröffnung in der Triester Straße 114

Das seit 2007 leerstehende Haus in der Triester Straße ist seit Freitag, den 2. Oktober von der Initiative „Hausprojekt“ und weiteren Gruppen besetzt. Dieses Haus ist denkmalgeschützt und im Besitz der Stadt Wien. Wir wollen nicht auf Lösungen von oben warten und zusehen, wie weitere Häuser verfallen lassen werden. Darum haben wir beschlossen ins Haus einzuziehen und beginnen selbst mit den Renovierungen. Selbstverständlich sind alle Menschen, die Lust haben, gemeinsam hier etwas neues entstehen zu lassen, eingeladen sich einzubringen.

In den letzten Tagen wurden die Räume des Hauses und der Garten geputzt, eingerichtet, sowie gestaltet und somit zu neuen Nutzungen angeeignet. Ein Kostnixladen und Cafe auf Spendenbasis und ohne Konsumzwang, sowie eine Fahrradwerkstätte, eine Ausstellung mit „work in progress“ haben hier bereits Raum gefunden. Weitere geplante Projekte sind: eine offene Bibliothek und Mediathek, Raum für offene Werkstätten eine selbstverwaltete Kindergruppe sowie Räume für Seminare, Workshops und Initiativen. Ein Teil soll Platz für kollektiven Wohnraum bieten. Wir versuchen damit einen Beitrag zu Steigerung der Lebensqualität im Viertel zu leisten.

Gerade in Krisenzeiten sollten kreative und eigenständige Lösungsansätze für ein würdiges Leben gefördert und nicht durch Behörden blockiert werden. Die Initiative will keine Subventionen von der Stadt, sondern nur den Raum für ein permanentes Hausprojekt. Raum ist zur Genüge vorhanden, denn in Wien stehen über 80.000 Wohnungen leer. Wir sind für das Recht, lang leerstehenden Raum für unkommerzielle Projekte nutzen zu können. Neben der Belebung der NachbarInnenschaft hat es die Wirkung einer Strafsteuer für Leerstand. Durch die Gefahr den Eigentumsanspruch auf ungenützten Raum zu verlieren, wird der Mietpreisspekulation entgegengewirkt.

Es gibt jeden Nachmittag und Abend Programm. Aktuelles Programm ist auf unserer Homepage zu finden: hausprojekt.noblogs.org.

Wir laden alle herzlich ein, vorbeizukommen und sich selbst ein Bild zu machen bzw. sich einzubringen. Für eine lebenswerte Stadt – Grätzl Aufwertung selbstgemacht!

Weitere Infos

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Gratis Bus von Innsbruck nach München zur ProChoice Demo!

Oktober 8, 2009

vom Bündnis für das Recht auf Abtreibung

Am Samstag 24.10.2009 werden christliche Fundamentalist_innen den sog. “1000 Kreuze Marsch” durch München veranstalten. Unter dem Deckmantel des “Lebensschutzes” wollen sie dabei ihre reaktionäre, frauenfeindliche und hetero-sexistische Propaganda verbreiten. Unterstützung erfahren sie hierbei durch die katholische Kirche, konservative Parteien, aber auch Neonazist_innen!

Gegen all dies wird ProChoice, das „Bündnis für das Recht auf Abtreibung“, am selben Tag ab 11 Uhr eine Demonstration organisieren, die wir gerne unterstützen möchten! Wir laden daher alle Interessierten ein, sich uns anzuschließen und gemeinsam auf die Demo zu fahren!

Abfahrt: 10 Uhr, Landestheater IBK
Anmeldung unter: stbg-uibk [at] riseup.net

Unser Blog: stbguibk.blogsport.de

Gegen Patriarchat und Heterosexismus!
Für ein freies, selbstbestimmtes Leben!

Nähere Infos im Aufruf (.pdf Datei)!

Das Kapital: „Das ist langsam kein Spaß mehr!“

Oktober 8, 2009

Die nächste Einschätzung auf FTD.de versucht zu diskutieren, warum der „Aufschwung“ keiner ist.

Ein kleiner Schönheitsfehler

Die Industrieauftragseingänge in Deutschland steigen und steigen, doch wie in Amerika kommt bei den Konsumgüterherstellern nichts davon an. Entsprechend setzten die Rentenanleger schon wieder auf Flaute. Und tatsächlich deutet einiges darauf hin.

Das ist langsam kein Spaß mehr. Die hiesigen Industrieauftragseingänge sind im August mit 1,4 Prozent zwar überraschend stark gestiegen, wenn man berücksichtigt, dass der Vormonat durch üppige Militärbestellungen aufgebläht war, der Umfang von Großaufträgen im August selbst jedoch unterdurchschnittlich gewesen ist. Aber wie schon in den Vormonaten herrscht bei den Konsumgüterherstellern Flaute vor. Im August haben die Bestellungen dort um satte 3,8 Prozent zum Vormonat nachgegeben – und sind damit bloß noch eine Spur höher als im tränenreichen Februar. Insbesondere die Konsumgüterbestellungen aus dem Ausland haben weiter nachgelassen und nun ein neues zyklisches Tief markiert.

Nun haben die Konsumgüter in Deutschland zwar nur ein Gewicht von knapp 8,1 Prozent im Index des Auftragseingangs, zumal Kraftfahrzeuge (27,1 Prozent) dem Investitionsgütersektor (55,5 Prozent) zugeschlagen werden. Doch ob wir nun Maschinen oder Vorleistungsgüter wie Chemie oder Stahl herstellen, letztlich dient alles der Fertigung von Konsumgütern. Und deshalb ist es beunruhigend, dass in Amerika, wo der Arbeitsmarkt längst kollabiert ist und die Verbraucher mit für dortige Verhältnisse riesigen Transferleistungen über Wasser gehalten werden, die Bestellungen bei den Konsumgüterproduzenten ähnlich wie in Deutschland in der Nähe ihrer jüngsten Tiefstände verharren. Das gilt besonders für die kleine Gruppierung der Gebrauchsgüter, die dem allgemeinen Bestellzyklus über die vergangenen Jahrzehnte tendenziell etwas vorangelaufen ist. Und während in den USA der Abwärtsdruck auf die Löhne aufgrund des riesigen Überangebots an Arbeit eindeutig zunimmt, dürfte sich hierzulande die Zunahme der Erwerbslosigkeit beschleunigen.

Zwar ist der deutsche Auftragsbericht für den August insgesamt sehr ermutigend. Denn die Zuwächse erstrecken sich auf eine Vielzahl von Branchen, und seit Februar sind die Bestellungen nunmehr um gut 17 Prozent gestiegen, sodass sie jetzt bloß noch 27 Prozent unter ihrem Spitzenniveau vom November 2007 liegen. Aber erste Risse sind zu erkennen. So sind die Bestellungen bei den Erzeugern von Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen, einer typischen Vorleistungsbranche, zuletzt zweimal in Folge gesunken, wenn auch von einem beachtlich hohen Niveau aus. Zudem ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Autoaufträge einen heftigen Rückschlag erleiden, wenn in einem Land nach dem anderen die Verschrottungsanreize auslaufen. Auch ist der Firmenwagenmarkt angeschlagen, um es einmal gelinde zu formulieren.

Der Maschinenbau (18 Prozent des Index des Auftragseingangs) unterdessen dürfte trotz der leichten jüngsten Erholung noch lange unter der fatalen Lage vieler Kunden leiden, die mit erheblich unterausgelasteten Kapazitäten, Schuldenbergen und äußerst hohen realen Kapitalkosten konfrontiert sind. In Deutschland beläuft sich die Umlaufrendite auf Industrieobligationen auf gut 4,8 Prozent, wobei die Erzeugerpreise ohne Energie gerechnet um 3,4 Prozent zum Vorjahr fallen und der Konkurrenzdruck in Anbetracht der einbrechenden Importpreise (minus 6,9 Prozent ohne Öl) gewaltig sein muss. Dazu noch bedacht, dass die Lohnstückkosten im produzierenden Gewerbe (ohne Bau) im zweiten Quartal um fast 25 Prozent über dem Vorjahr lagen, bleibt eine schmerzliche Arbeitsmarktanpassung auch dann zu befürchten, wenn die Firmen mit Blick auf die demografischen Entwicklungen eigentlich an ihren Stammbelegschaften festhalten wollen. Mit entsprechenden Konsequenzen für den Konsum.

Anders als die Aktienanhänger scheinen die Rentenliebhaber Ähnliches zu befürchten. Die Rendite auf zehnjährige Bundesanleihen marschiert seit Monaten stramm auf die Tiefstände um die Jahreswende zu und ist auch am Mittwoch trotz der guten Auftragsdaten heftig gefallen. Und falls sich noch jemand erinnern kann: Damals lautete jedes zweite Wort Kreditklemme oder Depression.