Das Kartenhaus

Oktober 7, 2009

„Die australische Zentralbank erhöht den Leitzins, die britische Industrieproduktion bricht ein, die USA debattieren über neue Fiskalspritzen, der Goldpreis rauscht weiter nach oben, der Dollar kriegt auf die Mütze, die Aktienanleger jubeln. Noch weitere Fragen zum Kartenhaus?“

Auf FTD.de wird unter der Rubrik Das Kapital die aktuelle Lage der Weltwirtschaft kurz und bündig zusammengefasst.

Nur den Dollar will keiner mehr

Die australische Zentralbank erhöht den Leitzins, die britische Industrieproduktion bricht ein, die USA debattieren über neue Fiskalspritzen, der Goldpreis rauscht weiter nach oben, der Dollar kriegt auf die Mütze, die Aktienanleger jubeln. Noch weitere Fragen zum Kartenhaus?

Banken wie Morgan Stanley haben uns bereits darauf vorbereitet: Die Zinswende ist nah. Dies vielleicht nicht so sehr im Euro-Raum oder in den USA, aber nachdem Israel den Leitzins bereits erhöhte, waren Norwegen und Australien ganz oben auf der Kandidatenliste für eine geldpolitische Straffung. Nun hat Australien den Leitsatz von 3 auf 3,25 Prozent angehoben, jenes Land am anderen Ende der Erde, dessen nominales BIP seit drei Quartalen fällt und im zweiten Quartal mit einer saisonbereinigten annualisierten Rate von 5,8 Prozent geschrumpft ist, das laut IWF mit Kaufkraftparitäten gerechnet für 1,146 Prozent des Welt-BIPs steht und dem die OECD vor ein paar Wochen eine Jugendarbeitslosigkeit (15 bis 19 Jahre) von 16,4 Prozent diagnostiziert hat.

Na, dann muss die Weltwirtschaft ja bald wieder im Lot sein, haben sich die Aktienanleger in aller Welt gedacht und dabei großzügig darüber hinweggesehen, dass die Produktion im verarbeitenden Gewerbe Großbritanniens im August auf das Niveau vom Frühjahr 1973 gesunken ist. Dabei hat die australische Zentralbank durchaus darauf hingewiesen, dass die Wirtschaft mit dem Abflauen der Effekte des Fiskalpakets – relativ zum BIP mit 5,4 Prozent das drittgrößte im OECD-Raum – nachlassen könnte. Alles in allem spricht viel dafür, dass Australien angesichts der robusten Rohstoffnachfrage Chinas die erste sich bietende Chance wahrnimmt, um die Immobilienblase zu mäßigen und ein späteres Unglück zu vermeiden.

Das ist nicht gerade die Nachricht, die den Goldanlegern schlaflose Nächte bereitet, weshalb der Preis des Edelmetalls am Dienstag neuerlich einen Satz gemacht hat. Denn während sich andere Länder bemühen, die extrem expansive Konjunkturpolitik zurückzufahren, wird in Washington nach den jüngsten Arbeitsmarktdaten wieder über zusätzliche Fiskalspritzen debattiert, die diesmal freilich nicht als Fiskalpaket deklariert werden sollen. Das sollte eigentlich zu denken geben, haben Zentralbank und Regierung in den USA doch bereits Hilfsprogramme für Finanzsektor und Wirtschaft aufgelegt, die dem Zehnfachen des australischen BIPs entsprechen. Doch ficht das die Nach-mir-die-Sintflut-Aktienliebhaber natürlich nicht an. Nur den Dollar, den will keiner mehr haben.

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