Nach dem Rausschmiss aus der p.m.k – wie weiter?

Juni 8, 2009

Bekanntlich beinhaltet Eigenlob immer die Gefahr, dass man als selbstherrlich und arrogant wahrgenommen wird. Trotzdem weisen wir darauf hin, dass unser Rauswurf aus der p.m.k negative Konsequenzen für Innsbrucks »Szene«, für Innsbrucks Kultur und für unsere (linke) Subkultur haben wird – es entsteht eine riesen Lücke im Programm. Wer sich die History ansieht, weiß, wovon wir reden: Eine p.m.k ohne undergroundige »Crust«, »Anarcho-« und »Hardcore Punk« Konzerte, ohne Dauergäste wie »Los Fastidios«, »World Inferno Friendship Society«, »Distemper«, »Dritte Wahl«, ohne Schmankerln à la »Iva Nova«, »La Minor« etc. Und vor allem: ohne politische Diskussionsrunden (Infobeisl)! Welchen Sinn macht Karl Marx Ausspruch »Ohne Theorie keine Revolution« noch, der die p.m.k-Lounge ziert?

Wir als Grauzone hatten die Fähigkeit, für jedes Konzert in der p.m.k mindestens 70-80 Leute zu mobilisieren. Bei jedem Infobeisl waren mindestens 25 Leute anwesend! Und in den fünf Jahren veranstalteten wir weit mehr als 100 Konzerte, Diskussionen, Vorträge, Filmabende, Workshops, offene Plenas/Meetings, Ausstellungen, etc.

Wir sind ein politisches Veranstaltungskollektiv, das mittlerweile ein Know-how angehäuft hat, das es uns erlaubt, autonom und selbstständig zu agieren: 150 Leute auf eine Demo? Kein Problem! Open Air Konzert am Marktplatz? Haben wir durchgezogen! Riesen Mobilisierung gegen ein Treffen der EU-AußenministerInnen? Liegt hinter uns! Spontane Meetings/Infobeisl zu aktuellen Anlässen? Haben wir immer gemacht! Konzerte mit internationalen Größen, die sonst nur in Berlin oder Wien auftreten? Die Grauzone brachte sie in die p.m.k. Oder umgedreht: Konzerte mit (internationalen und lokalen) Bands, die für jede Provinzhauptstadt wie Innsbruck viel zu klein/viel zu neu/viel zu unbekannt wären, weil genau drei Leute im Publikum stehen würden? Auch für solche Bands organisierten wir Konzerte mit teilweise über 100 Leuten! Ganz zu schweigen von unseren Kontakten mit internationalen TheoretikerInnen, AktivistInnen und Kollektiven – von Südafrika nach Mexiko, von Berlin in die Pampa von Sibirien – wir kennen überall Leute und holen sie zu uns, damit wir unsere Erfahrungen austauschen und voneinander lernen können. Das alles ohne Subventionen zu kassieren und ohne direkt und regelmäßig staatliche Förderungen zu beziehen (indirekt ja, über p.m.k; und manchmal über die Tiroler Kulturinitiative TKI).

Der Ausschluss aus der p.m.k spiegelt eines wieder: Der Vorstand ist eingelullt und zeigt weiße Flagge. Er unterwirft sich staatlichen Vorgaben, der Ideologie der „Gewaltfreiheit“ und vor allem der bürgerlich-konservativen medialen Berichterstattung, die nur wirtschaftlichen Interessen dient, nix als Skandale kennt und auf Profitmaximierung aus ist. Der Vorstand stört sich nicht daran – weil die Idee davon fehlt, dass man Vorgaben kritisieren und überschreiten muss, um neue Vorgaben zu entwickeln – bis es niemanden mehr gibt, der vorgeben kann. Weil die Idee einer wirksamen „Gegenöffentlichkeit“ fehlt, die Menschen anspricht (und nicht Institutionen!). Weil der Gedanke „vom anderen“, von der „Alternative“, von „produktiver Konfrontation“ fehlt. Weil die Vorstellung davon fehlt, wie diese Gesellschaft aus Gewalt entstanden ist und täglich gewalttätig wieder entsteht. Der Vorstand redet von „Gewaltfreiheit“, will aber bedingungslos mit der gewalttätigsten Institution überhaupt zusammenarbeiten: mit der Polizei und mit dem Staat.

Über die Jahre entstand ein Vorstand, der seine Entscheidungen immer weiter zentralisierte, Mitgliedsvereine immer weniger einband, nur noch fertige Konzepte zur Absegnung vorlegte – und von Politik außerhalb staatlicher Normen geschweige denn von sozialen Kräfteverhältnissen keine Ahnung hat. Politische Inhalte werden laut Vorstand natürlich transportiert – aber „subtil“ und nicht so platt wie von der Grauzone. Solche Meldungen kommen von Leuten wie z.B. vom Obmann, die es nie auf eines unserer Infobeisl geschafft haben. Es geht nämlich gar nicht um Gesellschaftsveränderung, sondern um Einnistung, Unterwerfung und Bequemlichkeit – wir sagen´s nochmal: „Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing!“ Kunst und Kultur als Konfrontation mit gesellschaftlichen Missständen, die als – Achtung: böse! – „politisch links“ kategorisiert wird, könnte den Arbeitsplatz in Gefahr bringen. Sollte Kunst und Kultur dann doch mal politisch sein, dann eben nur „subtil“ – so, dass es niemand kapiert und willkürlichen Interpretationen freien Lauf gelassen wird.

Für uns stellt sich nun nicht die Frage, ob wir weitermachen. Auch nicht wie. Die Frage ist: Wo machen wir weiter? Mit dem Rausschmiss wird uns wichtige Infrastruktur genommen, sogar schon fix geplante Veranstaltungen dürfen dort nicht mehr stattfinden (fünf Konzerte, ein Infobeisl). Finanziell gehen wir den Bach runter: Wir haben keine Chance, die noch schuldigen Beträge von vorigen Konzerten gegenüber dem Getränkelieferanten und der p.m.k zu begleichen. Konzerte, die unsere Verluste kompensieren hätten sollen, fallen flach, weil die Bedingungen in anderen Locations weitaus schlechter sind als die in der p.m.k. Trotzdem: Geld hin oder her – durch den Mangel an grünen Scheinchen lassen wir uns nicht unterkriegen. Die Perspektive ist klar: Wir machen weiter, freuen uns auf die nächste Saison an Infobeisln und suchen ein Lokal, von dem wir aus agieren können. Bis dahin sind wir mobil.

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