Archive for Juni, 2009

50.000 ArbeiterInnen auf der Straße, 50 brennende Fabriken!

Juni 30, 2009

Massenhafte Arbeiterunruhe in Bangladesch *** militante Auseinandersetzungen mit der Polizei *** in der Exportzone von Dhaka, der Hauptstadt, überlaufen 50.000 ArbeiterInnen 400 Bullen

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Short fuse: 50,000 workers on the streets and 50 factories burning in Bangladesh

The mass unrest in the garment industry continued on Monday (29 June) for a third day…

On the outskirts of Dhaka, the capital city, in the industrial zone; workers‘ rioting and demonstrations yesterday escalated to new heights. As thousands of workers gathered in the morning, at 10am a group set off towards the nearby Dhaka Export Processing Zone where many garment factories are located. Police blocked their way and fierce fighting began – in the pitched battle police teargas and rubber bullets left 100 workers injured.

Other workers soon joined the protesters and informed them that work was continuing as normal at the Hamim Group factory complex. Twenty thousand workers began to march towards the complex. As the numbers of protesters in the area swelled to 50,000 the security forces were simply overwhelmed; the Dhaka District Superintendent of Police said; „An additional 400 policemen stood guard in front of the major factories. We tried our best to disperse the crowd, but they were too many and too fierce.”

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Gute Gründe, kein Vertrauen mehr zu haben!

Juni 29, 2009

Von Inflation keine Spur
Ökonomie: Es kommt nicht darauf an, wieviel Geld geschöpft wird, sondern wer darüber ­verfügt

Von Lucas Zeise

Geld ist ein gesellschaftliches Konstrukt: Sein wahrer Wert hängt vom Vertrauen des Publikums ab

Obwohl in der aktuellen Krise die Inflation auf Null gefallen ist (genauer gesagt, der Preisindex des genormten Warenkorbs ist in diesem Mai keinen Deut höher gewesen als vor einem Jahr), ist die Furcht vor der Geldentwertung weit verbreitet. Das ist verständlich, denn wenn der Staat und seine Notenbank freizügig Milliardenbeträge unter Banken und Großkonzernen verteilen, kann man schon ins Grübeln kommen, was die ökonomischen Folgen dieser sensationellen Freigiebigkeit sind. Wenn die Zeitungen unwidersprochen schreiben, die Notenbanken ließen die Papiergelddruckpresse auf nie gekannten vollen Touren laufen, liegt die Vermutung nahe, daß der Überfluß an Papierschnipseln diese über kurz oder lang völlig wertlos machen muß.

Die Inflationsangst ist, was man nicht von allen Ängsten sagen kann, eine von rationalen Gründen getriebene Emotion. Denn schließlich ist das gute Geld, um das es sich bei dieser Angst dreht, eine politische Machtveranstaltung. Geld ist weder ein natürliches Ding, das sich wie Luft ziemlich häufig überall finden läßt, oder eines wie Wasser, Grund und Boden oder Bodenschätze, die mit großen Mühen in nutzbare Formen gebracht werden müssen. Es ist auch kein Produkt menschlicher Arbeit, das einen gewissen Gebrauchswert hat und hie und da einmal verkostet oder wie ein Chip in einem Computer, Auto oder Handy eingebaut werden kann. Es ist ein gesellschaftliches Konstrukt. Sein wahrer Wert hängt, wie Festredner gern zu Recht betonen, vom Vertrauen des Publikums ab. Gelegentlich hat das Publikum gute Gründe, kein Vertrauen mehr zu haben.

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Wie die Welle auf den Boden kommt

Juni 10, 2009

Editorial der Wildcat 84 – Sommer 2009

Wie die Welle auf den Boden kommt

Deutschland, Anfang Juni 2009. Daimlermanager sind gehalten, nicht zu häufig in die Werke zu gehen, um »eine ungute Stimmung zu vermeiden«. Die Polizei beobachtet den Verlauf der Wirtschaftskrise. Noch gibt es keinen Anstieg der
Gewalt, sie bereitet sich aber vor. Noch gibt es keine Massenentlassungen. Die Behörden bereiten sich aber vor. Es ist eine seltsame Zeit, eine Zwischenzeit, in der alles auf dem Spiel steht.

Bei Erscheinen der Wildcat 83 hatte sich gerade der Wirtschaftsminister davon gemacht. Zu Guttenberg muss wohl durchhalten bis zu den Wahlen, sonst hätte er sich letzte Woche vom Acker gemacht. Die meisten seiner Kollegen haben die letzten drei Monate Parolen ausgegeben wie »Hoffnungsschimmer«, »Licht am Ende des Tunnels« und »Bodenbildung«. Sehr schön brachte G. Menuet von der Bank of America die Doppelbödigkeit dieser Argumente zum Ausdruck; er sagte der Nachrichtenagentur Reuters: »»Ich glaube, dass wir im ersten Quartal den Boden erreicht haben. Wir werden im zweiten Quartal einen weiteren Rückgang haben, aber nicht so negativ wie im ersten.« Auch als in der letzten Krise im Herbst 2000 von »Bodenbildung« gesprochen wurde, kam das Schlimmste erst noch. Denn die Welle ist die Form der Krisenbewältigung, die dazu führt, dass die gewöhnlichen Menschen für die Krise bezahlen – nicht nur am Aktienmarkt! Vor allem aber ist sie die Form, wie die Krise politisch gemeistert wird, weil jedes Mal behauptet wird, nun sei es vorbei.

In den letzten beiden Heften hatten wir den Schwerpunkt auf die weltweite Proletarisierung und Berichte zu den Auswirkungen der globalen Krise gelegt. Das wollen wir im nächsten Heft wieder tun (Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Kämpfe, Perspektiven). Diesmal liegt das Schwergewicht auf den strategischen Zügen der kapitalistischen Krise (»spekulatives Kapital«, »internationale Zahlungsungleichgewichte«, drohendes Platzen der »Mutter aller Blasen«).

Paolo Giussani [artikel] hat ein vehementes Plädoyer gegen alle (links-)keynesianischen Illusionen beigesteuert. Ganz ähnlich wie Marx sieht er in der Aktiengesellschaft den Grund für die Ausweitung der Spekulation. »Hinter der Ausweitung des spekulativen Kapitals (steht) nicht das Finanz- und Kreditkapital, sondern die Funktionsweise des produktiven Kapitals selbst.« Aber angesichts des säkularen Verfalls der Profitrate liefert »die Zirkulation des spekulativen Kapitals« die letzten Krümel an Wachstum. Sie zu beschneiden, würde in eine langandauernde Stagnation (bei gleichzeitig hochschießender Inflation aufgrund der extremen Staatsverschuldung) führen und »eher früher als später an einen Scheideweg«: entweder kommt es zu »einem brutalen dejà vu genau der Entwicklung der späten 70er und 80er Jahre, die zur heutigen Situation geführt hat«, oder die
ArbeiterInnen erheben sich…

Zwischen 2000 und 2009 hat eine Gruppe von 11 Ländern (allen voran die USA, Spanien und Großbritannien) zusammen rund acht Billionen Dollar mehr ausgegeben als eingenommen. Gleichzeitig hat eine Gruppe von 16 Ländern (allen voran China, Japan und die BRD, plus Ölförderländer) zusammengerechnet den gleichen Betrag weniger ausgegeben als eingenommen. Diese massiven Ungleichgewichte in den internationalen Zahlungsströmen wurden vor Ausbruch der Krise als »Bretton Woods II« schön geredet – und werden von vielen nun als »Erklärung für die Finanzmarktkrise« genommen. Wir gucken genauer auf die Klassenverhältnisse hinter dem symbiotischen Verhältnis zwischen China und den USA. Denn »Chimerica« [artikel] war für das kapitalistische Weltsystem so zentral, dass manche als Gipfeltreffen zur Rettung des globalen Finanzsystems ein »G2«-Treffen vorschlugen. Übrigens widerlegen bereits diese Finanzströme die harten Ansagen der Politiker und Unternehmer, »wir« hätten »über unsere Verhältnisse gelebt«. Der private Verbrauch in der BRD stagniert seit zehn Jahren. Zahlen der Bundesbank zufolge haben die Privathaushalte von 2000 bis 2008 1471 Milliarden Euro gespart.

Danach kommen ein paar Gedanken zur Frage, warum die radikale Linke in dieser historischen Krise des Kapitalismus so leer dasteht wie ein geräumtes Bankgebäude. Könnte es sein, dass ein Großteil linker Theorieproduktion der letzten drei Jahrzehnte die Seifenblasen der Kreditökonomie für Realität gehalten hat? Und was passiert nun nach dem Platzen der Kredit- und Theorieblasen? Postmoderne Bodenbildung. [artikel]

Der »Neoliberalismus« griff alle egalitären Errungenschaften der Klassenkämpfe Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts frontal an, weil er in ihnen zurecht die Ursache der Krise sah. Auch hier verliefen Ideologieproduktion und Finanzmärkte parallel. Jedes kollektive Subjekt ist unter Beschuss geraten und wurde je nach Anlass als korporativ oder gar als völkisch denunziert, der Kollektivgedanke selber wurde in die totalitäre Ecke gestellt. Die »neoliberale Wirtschaftspolitik« hat die allgemeinen Reproduktion(skosten) »finanzialisiert«, das war der gewaltigste Angriff auf kollektive Zusammenhänge. Viele Leute wurden durch Zinsen unter der Inflationsrate und den Abbau sozialstaatlicher Leistungen gezwungenermaßen zu »Akteuren an den Finanzmärkten«. Einerseits, um ihren Lebensstandard bei sinkenden Reallöhnen durch Schuldenmachen einigermaßen aufrechtzuerhalten. Andererseits weil Kredite für den Kauf der Eigentumswohnung den sozialen Wohnungsbau und die unbezahlbaren Mieten ersetzten, und Riesterrente die gekürzte gesetzliche Rente; weil Studienkredite aufgenommen wurden, um die Studiengebühren bezahlen zu können; selbst der Optiker dreht dir gleich einen Kreditvertrag über zwei Jahre an, wenn du eine Brille brauchst – früher hat die Krankenkasse einen Teil der Kosten bezahlt. Die Forderungen der Banken, Rentenversicherungen, Krankenkassen usw. uns gegenüber dienten ihnen als Basiswert für ihre Spekulationen an den
Finanzmärkten – während wir uns dabei immer weiter verschulden. Manche halten diese »finanzielle Enteignung« für die zentrale Finanzinnovation des »Neoliberalismus«. Und Leute, die Kredite am Laufen haben, sind meistens nicht die ersten, die streiken. Aber damit wurde das Finanzwesen letztlich abhängig vom Verhalten der Unterklassen – Kriminalität, Zurückzahl- und Konsumverhalten, Krankheit, (Früh-)Rente… Die Aufrüstung des Kontrollstaats, Null-Toleranz-Konzepte bei der Polizei usw. stehen in direktem Zusammenhang damit. Das Ausbrechen der subprime-Krise in den USA zeigt, dass das alles nichts mehr hilft, wenn die Leute einfach ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen können. Eine Genossin aus England schreibt über aktuelle Verschärfungen bei der Kontrolle der gesamten Reproduktion der Unterschichten [artikel], vom Ernährungsverhalten über die Schwangerschaft bis zur Erziehung der Kinder.Vieles von der Diskussion über den »aktivierenden Sozialstaat« kommt
aus England. Sarrazin (jetzt Bundesbankvorstand, vorher SPD-Finanzsenator in Berlin) erklärte Mitte Mai im Stern, der Sozialstaat müsse so umgebaut werden, »dass man nicht durch Kinder seinen Lebensstandard verbessern kann,
was heute der Fall ist«. Anfang 2008 hatte er Hartz IV-EmpfängerInnen Ernährungstipps gegeben, die darauf raus liefen, einfach weniger Kalorien zu essen, als man täglich braucht. »Die RAF müsste wieder kommen!« sagt der gemeine Hartz IV-Empfänger dann gelegentlich, wenn er solche Aussagen in seinem Dolby-Surround-Fernseher sieht, vor dem er den ganzen Tag sitzt und schlechtes Fett und Nikotin in sich rein stopft.

Wildcat hat sich seit den 80er Jahren immer mal wieder mit dem bewaffneten Kampf in der BRD beschäftigt. Das blieb fruchtlos, weil in der BRD – im Gegensatz etwa zu Frankreich oder Italien, wo solche Diskussionen in den 80er und 90er Jahren in aller Härte liefen – offensichtlich niemand die angesprochenen Fragen öffentlich diskutieren wollte. Stattdessen wurden alle heißen Themen verdrängt, so dass Verräter und Staat in der öffentlichen Debatte oft mehrere Schritte voraus waren. Im Zusammenhang mit einem der letzten Prozesse gegen den Zusammenhang der Revolutionären Zellen sind uns nun aber GenossInnen über den Weg gelaufen, die Lust auf Diskussion und Aufarbeitung haben. Einer sagte noch: »Einen Vorteil hat es, wenn man wegen Revolutionäre Zellen verurteilt ist. Man kann jetzt offen drüber reden!« Das haben wir versucht. Das Interview [artikel] soll als Angebot verstanden werden: hier sind Leute, die über solche Fragen auch öffentlich diskutieren
wollen.

Betriebsschließungen und Bossnapping in Frankreich [artikel]: Jean-Paul Sartre fand die Bossnappings in Frankreich 1968 ff. gut, denn: »Wenn ein Chef seine Beschäftigten um Erlaubnis fragen muss, wenn er pinkeln muss, ist das ein großer Schritt nach vorne«. Die englische Financial Times zitierte diesen Spruch unter dem Bild eines grinsenden, gekidnappten Unternehmers, dem Chef von Moët & Chandon, den »seine« Arbeiter im Sommer 1993 im Büro eingeschlossen hatten mit nur ein paar Flaschen Champagner als Proviant. Anschließend gab die FT Tipps für den Fall der Fälle: vor Verhandlungen wenig trinken, unauffällig Zahnbürste und Pyjama einpacken usw. Vor allem aber »don’t panic! Bossnapping gehört zur französischen Kultur wie Baguettes und Briekäse.« Ganz anders die Aufgeregtheit bei vielen deutschen Linken über die »französischen Zustände«, die immer wieder die hiesigen ArbeiterInnen auffordern, »lernt endlich Französisch!« Ein Genosse aus Frankreich hat einen realistischeren Blick aufs Bossnapping.

Ein bisschen »genappt« wurde im April auch in Großbritannien – und dann drei Fabriken besetzt. Leider hat es auch dort nicht geklappt, die zeitgleich laufenden Proteste gegen den G20-Gipfel wenigstens ein bisschen für den Klassenkampf zu interessieren. Manche »klagen darüber, dass die Gewerkschaften, der Staat usw. Kämpfe zu isolieren versuchen – aber einige Leute kriegen das mit ihrer politischen Ideologie auch ohne fremde Hilfe hin« ist das Fazit des Aktivisten, der uns den Artikel [artikel] geschickt hat. Der Kampf bei Visteon war aus zwei Gründen sehr wichtig: Es war eine der ersten großen Auseinandersetzungen um Abfindungen und Renten in der Krise und hatte das Zeug zum Präzedenzfall für künftige Firmenpleiten. Zweitens: die ArbeiterInnen haben das Zehnfache des ursprünglichen Angebots rausgeholt.

In nächster Zeit werden Besetzungen erstmal die Kampfformen gegen Betriebsschließungen sein. Da sollten alle hingehen und dazu beitragen, dass auch »nicht betroffene« Betriebe sich solidarisieren und sich dem Kampf anschließen. In der letzten Krise haben wir aus Argentinien gelernt, dass eine Bewegung keine Chance hat, wenn sich nur die Rausgeschmissenen und die Arbeitslosen mobilisieren. Und allen Beschäftigten, denen Absenkungsverträge aufgezwungen werden, sollten wir die Erfahrung (nicht nur) aus Frankreich vorhalten: »Wenn man sich einmal auf die Erpressung durch die Bosse eingelassen hat, ist es sehr schwer, das wieder umzudrehen.« Vielleicht wird dann das »Licht am Ende des Tunnels«, das unsere Feinde gesehen haben wollen, der Scheinwerfer entgegenkommender Klassenkämpfe sein.

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Redaktion Wildcat
www.wildcat-www.de

Nach dem Rausschmiss aus der p.m.k – wie weiter?

Juni 8, 2009

Bekanntlich beinhaltet Eigenlob immer die Gefahr, dass man als selbstherrlich und arrogant wahrgenommen wird. Trotzdem weisen wir darauf hin, dass unser Rauswurf aus der p.m.k negative Konsequenzen für Innsbrucks »Szene«, für Innsbrucks Kultur und für unsere (linke) Subkultur haben wird – es entsteht eine riesen Lücke im Programm. Wer sich die History ansieht, weiß, wovon wir reden: Eine p.m.k ohne undergroundige »Crust«, »Anarcho-« und »Hardcore Punk« Konzerte, ohne Dauergäste wie »Los Fastidios«, »World Inferno Friendship Society«, »Distemper«, »Dritte Wahl«, ohne Schmankerln à la »Iva Nova«, »La Minor« etc. Und vor allem: ohne politische Diskussionsrunden (Infobeisl)! Welchen Sinn macht Karl Marx Ausspruch »Ohne Theorie keine Revolution« noch, der die p.m.k-Lounge ziert?

Wir als Grauzone hatten die Fähigkeit, für jedes Konzert in der p.m.k mindestens 70-80 Leute zu mobilisieren. Bei jedem Infobeisl waren mindestens 25 Leute anwesend! Und in den fünf Jahren veranstalteten wir weit mehr als 100 Konzerte, Diskussionen, Vorträge, Filmabende, Workshops, offene Plenas/Meetings, Ausstellungen, etc.

Wir sind ein politisches Veranstaltungskollektiv, das mittlerweile ein Know-how angehäuft hat, das es uns erlaubt, autonom und selbstständig zu agieren: 150 Leute auf eine Demo? Kein Problem! Open Air Konzert am Marktplatz? Haben wir durchgezogen! Riesen Mobilisierung gegen ein Treffen der EU-AußenministerInnen? Liegt hinter uns! Spontane Meetings/Infobeisl zu aktuellen Anlässen? Haben wir immer gemacht! Konzerte mit internationalen Größen, die sonst nur in Berlin oder Wien auftreten? Die Grauzone brachte sie in die p.m.k. Oder umgedreht: Konzerte mit (internationalen und lokalen) Bands, die für jede Provinzhauptstadt wie Innsbruck viel zu klein/viel zu neu/viel zu unbekannt wären, weil genau drei Leute im Publikum stehen würden? Auch für solche Bands organisierten wir Konzerte mit teilweise über 100 Leuten! Ganz zu schweigen von unseren Kontakten mit internationalen TheoretikerInnen, AktivistInnen und Kollektiven – von Südafrika nach Mexiko, von Berlin in die Pampa von Sibirien – wir kennen überall Leute und holen sie zu uns, damit wir unsere Erfahrungen austauschen und voneinander lernen können. Das alles ohne Subventionen zu kassieren und ohne direkt und regelmäßig staatliche Förderungen zu beziehen (indirekt ja, über p.m.k; und manchmal über die Tiroler Kulturinitiative TKI).

Der Ausschluss aus der p.m.k spiegelt eines wieder: Der Vorstand ist eingelullt und zeigt weiße Flagge. Er unterwirft sich staatlichen Vorgaben, der Ideologie der „Gewaltfreiheit“ und vor allem der bürgerlich-konservativen medialen Berichterstattung, die nur wirtschaftlichen Interessen dient, nix als Skandale kennt und auf Profitmaximierung aus ist. Der Vorstand stört sich nicht daran – weil die Idee davon fehlt, dass man Vorgaben kritisieren und überschreiten muss, um neue Vorgaben zu entwickeln – bis es niemanden mehr gibt, der vorgeben kann. Weil die Idee einer wirksamen „Gegenöffentlichkeit“ fehlt, die Menschen anspricht (und nicht Institutionen!). Weil der Gedanke „vom anderen“, von der „Alternative“, von „produktiver Konfrontation“ fehlt. Weil die Vorstellung davon fehlt, wie diese Gesellschaft aus Gewalt entstanden ist und täglich gewalttätig wieder entsteht. Der Vorstand redet von „Gewaltfreiheit“, will aber bedingungslos mit der gewalttätigsten Institution überhaupt zusammenarbeiten: mit der Polizei und mit dem Staat.

Über die Jahre entstand ein Vorstand, der seine Entscheidungen immer weiter zentralisierte, Mitgliedsvereine immer weniger einband, nur noch fertige Konzepte zur Absegnung vorlegte – und von Politik außerhalb staatlicher Normen geschweige denn von sozialen Kräfteverhältnissen keine Ahnung hat. Politische Inhalte werden laut Vorstand natürlich transportiert – aber „subtil“ und nicht so platt wie von der Grauzone. Solche Meldungen kommen von Leuten wie z.B. vom Obmann, die es nie auf eines unserer Infobeisl geschafft haben. Es geht nämlich gar nicht um Gesellschaftsveränderung, sondern um Einnistung, Unterwerfung und Bequemlichkeit – wir sagen´s nochmal: „Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing!“ Kunst und Kultur als Konfrontation mit gesellschaftlichen Missständen, die als – Achtung: böse! – „politisch links“ kategorisiert wird, könnte den Arbeitsplatz in Gefahr bringen. Sollte Kunst und Kultur dann doch mal politisch sein, dann eben nur „subtil“ – so, dass es niemand kapiert und willkürlichen Interpretationen freien Lauf gelassen wird.

Für uns stellt sich nun nicht die Frage, ob wir weitermachen. Auch nicht wie. Die Frage ist: Wo machen wir weiter? Mit dem Rausschmiss wird uns wichtige Infrastruktur genommen, sogar schon fix geplante Veranstaltungen dürfen dort nicht mehr stattfinden (fünf Konzerte, ein Infobeisl). Finanziell gehen wir den Bach runter: Wir haben keine Chance, die noch schuldigen Beträge von vorigen Konzerten gegenüber dem Getränkelieferanten und der p.m.k zu begleichen. Konzerte, die unsere Verluste kompensieren hätten sollen, fallen flach, weil die Bedingungen in anderen Locations weitaus schlechter sind als die in der p.m.k. Trotzdem: Geld hin oder her – durch den Mangel an grünen Scheinchen lassen wir uns nicht unterkriegen. Die Perspektive ist klar: Wir machen weiter, freuen uns auf die nächste Saison an Infobeisln und suchen ein Lokal, von dem wir aus agieren können. Bis dahin sind wir mobil.

Streiks im Nordwesten Spaniens: Metallarbeiter widerstehen Polizeirepression!

Juni 5, 2009

Massendelegationen von Betrieb zu Betrieb *** öffentlich zugängliche Betriebsversammlungen *** Blockaden von Betrieben … aktuell auf labournet.de:

Galizien ist eine Region, deren Menschen schon lange daran gewöhnt sind, dass die kapitalistische Marktwirtschaft ihnen keine Perspektiven mehr bieten kann: die Werften sind das naheliegendste Beispiel. In der aktuellen Metalltarifrunde hatten die Unternehmer nur ein Angebot: Keinen neuen Tarifvertrag. Löhne also einfrieren, Arbeitszeiten unbestimmt lassen, so lautet das konkret – im übrigen das weltweit bekannte Kürzungspaket. Die Streikbewegung begann Anfang Mai in den kleineren und mittleren Metallbetrieben – die großen, wie etwa Citroen oder die Werften, haben eigene Tarifverträge. Dem begegneten die Arbeiter mit der Entsendung von Massendelegationen zu den Werkstoren, um Solidaritätsaktionen den Weg zu bahnen, was zunächst bei den Werften schneller passierte, im Verlauf der Tage kam es aber auch bei Citroen zu Aktionen. Der Isolierung in kleineren Betrieben – und im Angesicht der faktischen Nachrichtensperre der Kommerzmedien – begegneten die Belegschaften mit öffentlich zugänglichen Betriebsversammlungen auf Straßen und Plätzen der Stadt, die die ganze Zeit seit Beginn der Auseinandersetzung 10.000 und mehr TeilnehmerInnen hatten. Die offizielle gewerkschaftliche Taktik der drei großen beteiligten Gewerkschaften (Arbeiterkomissionen, UGT und die regionale CIG) liess sich nicht wirklich durchhalten. Seit dem 8. Mai – als Proteste am Bahnhof mit heftigen Repressionsversuchen zu kämpfen hatten – kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Der offizielle Anlaß war die Tatsache, dass die Strassenversammlungen immer auch Verkehrsblockaden bedeuteten. Aber selbst eine kurze Nachrichtenschau aus Spanien zeigt in diesen Tagen, dass quer durchs Land Protesten und Widerstandsaktionen nur noch mit Polizeigewalt begegnet wird, egal wie der konkrete Anlaß jeweils genannt wird. Anfang Juni haben sich nun die Auseinandersetzungen verschärft, weil die Belegschaften einerseits dazu übergingen, die Betriebe zu blockieren und andrerseits der Polizeirepression Widerstand zu leisten – was dann natürlich auch die Medienwirtschaft mobilisierte.