SWAROVSKI FLUGBLATT

[Ihr könnt das Flugblatt hier runterladen, zum Ausdrucken und selber verteilen.....]

Hallo, ArbeiterInnen von Swarovski!

Aufmerksam beobachten wir in letzter Zeit die Entwicklungen in Eurem Betrieb – und wir sind besorgt!

Die Chefetage schwatzt vor Monaten von »MitarbeiterInnenabbau, damit der ›Standort Tirol‹ gesichert bleibt« – und entlässt auf Anhieb 740 Leute, besetzt 200 Stellen nicht mehr nach. Das alles aufgrund irgendeiner billigeren Konkurrenz aus Ägypten oder China – dabei argumentieren die Chefs dort in diesen Ländern ganz gleich wie ihre BonzenkollegInnen aus Tirol: Beispielsweise zogen in China die Textilbetriebe ab, weil die Konkurrenz aus Thailand oder Bangladesch so »billig« war -> Ihr seht, das ist eine endlose Spirale, die vor allem für Euch ArbeiterInnen nicht endet! Swarowski ist ein Betrieb, der auf höchstmöglichen Profit ausgerichtet ist – aber das wisst ihr doch! Deshalb wird die Chefetage alles tun, dass der Profit gewahrt bleibt – einen anderen Sinn hat das Unternehmen doch gar nicht! Oder glaubt ihr wirklich, dass die Dinge, die Swarowski herstellt, irgendeinen Sinn haben? Glasschmuck für die Reichen, Ferngläser für die Kriegswirtschaft – wem nützt denn das? Klar, ihr habt dadurch einen halbwegs gut bezahlen Job – aber wie lange noch? Glaubt nicht, dass es nur LeiharbeiterInnen oder Teilzeitkräfte trifft – viele Betriebe in Tirol wie die Egger GmbH oder das Holzunternehmen Pfeifer in Imst entlassen mittlerweile schon Teile der Stammbelegschaft!

Abgesehen davon, Swarovskis Pläne sind ja schon bekannt: Ein Teil der Produktion wird nach Tschechien verlagert, weitere 150 ArbeiterInnen fliegen raus. Hinter vorgehaltener Hand munkelt man schon wieder von weiteren 600 Kündigungen wegen der Wirtschaftskrise (der Gewerkschafter Stingl redet von einer »Salamitaktik«: Immer mehr Scheibchen werden abgeschnitten). Das alles …

… trotz Rekordumsatz 2007!

Das Argument: Jenen Rekord hat man 2008 nicht erreicht. Von 2,56 Mrd. fiel er auf 2,52 Mrd. Euro – wahrlich, eine Tragödie! Sonnenklar, dass da (vorerst!) 20 Prozent der Belegschaft gehen müssen. Ihr kommt dann in eine »Landesarbeitsstiftung«, was bedeutet: Es gibt zwar nicht genug Arbeit, um Euch bei der Stange zu halten, aber die KapitalistInnen und PolitikerInnen verordnen dennoch einen Arbeitszwang – verpackt als »Aus- und Fortbildungsmaßnahmen«. Was wollt Ihr denn danach machen?

Wir glauben, dass es zu nichts führt, wenn man sich noch weiter verarschen lässt. Die Informationspolitik der Chefetage ist genau so ausgerichtet, dass ihr zittern müsst – vermutlich haben sie all das aber schon jahrelang geplant! Und wer Angst hat, der ist auch leichter zu kontrollieren. Vielleicht hilft ja ein Blick über den Tellerrand, diese Angst etwas abzubauen, um …

… auch mal selber etwas überlegen …

… zu können und vielleicht ein paar Maßnahmen zu ergreifen – schlussendlich seid Ihr es, die an den Maschinen stehen und produzieren, nicht die Chefs:

Entlassungen stehen gerade überall auf der Tagesordnung – Ihr lest die Zeitungen und erfahrt von Massenkündigungen im Bankenwesen, in der Autoindustrie, bei deren Zulieferern, in China, in England, den USA, Deutschland, … die Liste geht ewig weiter! Ja, wir befinden uns in einer extrem tiefen Krise – das ganze weltweite System bricht gerade zusammen. Was es wohl heißt, wenn die österreichischen Banken 85 % des österreichischen Bruttoinlandproduktes in »Osteuropa-Geschäfte« investiert haben – und jetzt bangen, dass diese Summe nicht mehr einbringbar ist (Rumänien ist pleite, Lettland ist pleite, Russland ist pleite, die Ukraine steht vor dem Staatsbankrott, …)? Und was es heißt, dass die Arbeitslosigkeit in Tirol gerade krasse Ausmaße annimmt: 21.000 Menschen sind ohne Job, das sind um 28,3 % mehr als im Vorjahr. Und jeden Tag erfährt man von neuen Kündigungen wegen der »Krise«.

Bisher trifft die Krise viel stärker diejenigen, denen es sowieso schon schlechter geht: LeiharbeiterInnen werden als erste entlassen, viele rutschen in die Überschuldung, können ihre Miete nicht mehr zahlen, haben kaum noch Geld für vernünftige Lebensmittel. Im Vergleich dazu geht es den Stammbelegschaften mit wochenlanger Kurzarbeit noch relativ gut. Aber denkt nur nicht, dass das nur LeiharbeiterInnen trifft! Wir stehen erst am Anfang der Krise.

Fakt ist: Wir leben in einem widersprüchlichen System, das uns Menschen – gerade in Krisenzeiten können wir das ganz klar erkennen – überhaupt nichts nützt. Bevor irgendeine Bank oder ein kaputter Konzern zugrunde gehen, füttern die arroganten, abgehobenen PolitikerInnen sie eher mit unserem Steuergeld und sagen dann: »Ihr ArbeiterInnen müsst auf Euren Lohn verzichten!« Das ist auch das, was der Präsident der Industriellenvereinigung Veit Sorger im November gesagt hat: »ArbeiterInnen sollen auf ¼ ihres Lohns verzichten!« Immer die gleiche Leier: »Schnallt die Gürtel enger!« →

Sie versuchen, uns – die ArbeiterInnen rund um den Globus – das Ganze bezahlen zu lassen!

Die Regierungen haben Hedgefonds und hochspekulative Papiere legalisiert, sie haben alles getan, damit »Finanzinvestoren« Betriebe und kommunale Infrastruktur aufkaufen und ausplündern konnten (Crossborder Leasing der TIWAG und der Stadt Innsbruck, auch in vielen deutschen Städten wie Freiburg und Köln wurde soziale Infrastruktur wie Kanal und Straßenbahn verscherbelt!). Zu diesem Zweck haben sie die Zinsen so niedrig gehalten, dass ein Sparbuch weniger als die Inflationsrate abgeworfen hat; die allgemeine Pensionsversicherung wird schrittweise durch private Versicherungen ersetzt usw. Sie haben selbst genau das angerichtet, was wir jetzt ausbaden sollen!

Die Milliarden für die Banken sind eine unerhörte Frechheit! Dieses Geld schützt nur das Vermögen der KreditgeberInnen. Ein Kredit ist aber nichts anderes als ein Anspruch auf Gewinne aus zukünftiger Arbeit. Wir müssen also in Zukunft noch mehr an die abgeben, die eh schon im Überfluss leben. Dass plötzlich für die geplante Mindestsicherung kein Geld mehr da ist, zeigt in wessen Interesse die Regierung handelt. Schleichend werden die Lohnnebenkosten (UnternehmerInnenbeiträge zu den Sozialversicherungen) gesenkt um dann zu behaupten, die Sozialversicherungen können nicht wirtschaften und am Sozialsystem müsse gespart werden. Die Gas- und Strompreise werden weiter erhöht, obwohl Erdöl, Stahl usw. massiv billiger geworden sind. Was da also über uns hereinbricht, ist also keine Naturgewalt oder »Wirtschaftszwang«, sondern gezielte politische Absicht!

Die PolitikerInnen retten das Bankensystem, damit sie weiter an der Macht bleiben und man uns weiter ausplündern kann. Und die Banken verteilen die Fördermilliarden als Boni an die ManagerInnen und als Dividendenzahlungen an die AktienbesitzerInnen! Jetzt schieben sie ein Konjunkturpaket nach: ein bisschen Gebäudesanierung, ein paar Millionen für die Autozulieferbetriebe. Ein Tropfen auf dem heißen Stein angesichts der Dramatik der Krise!

Was ist mit unserem Kapitalbedarf?

Immer mehr haben trotz Vollzeitjob kaum genug zum Leben! Heizen wird zum Luxus, für 315.000 österreichische Haushalte unerschwinglich. Die Hauptursache für Überschuldung ist »Arbeitslosigkeit«. Also die übliche Mischung aus miesen, schlecht bezahlten Jobs, Arbeitslosigkeit und Leiharbeit. Nach Jahren der Zurückhaltung und angesichts der Preissteigerungen sind ordentliche Lohnerhöhungen nötig, nicht die paar Promille, die der ÖGB ausgehandelt hat. Wie wäre es mit 500 Euro mehr für alle und Abschaffung der Leiharbeit!?

Geld kann nicht arbeiten …

Ein Gutes hat die Krise: solche Dummsprüche vom Geld, das arbeitet, muss man sich nicht mehr anhören! Entweder jemand lässt andere für sich arbeiten – ein Unternehmer zB. (Swarovski!) – oder man muss selbst für den Lebensunterhalt arbeiten. Man kann wieder Tacheles reden; statt vom »Spiel der freien Märkte« ist jetzt wieder öfter vom »Kapitalismus« die Rede. Ein System, das auf Ausbeutung unserer Arbeit beruht. Durch die Krise werden die Verhältnisse klarer, aber es ist nicht ausgemacht, ob wir gerade den Anfang vom Ende des Kapitalismus erleben, oder ob sich der Kapitalismus umso strahlender und mörderischer aus dieser tiefen Krise erheben wird. Das hängt ganz wesentlich von uns ab!

Es wird Zeit darüber nachzudenken, was wir auf den Ruinen tun, die sie uns hinterlassen werden!

Denn in der tiefen Krise zeigt sich auch, dass das Kapital uns nach 30 Jahren Dauerangriff nicht besiegt hat, langsam gehen ihnen die Optionen aus. Wir, die ArbeiterInnen überall auf dem Globus sind es, die mit unseren selbstverständlichen Bedürfnissen das Kapital in die Klemme getrieben haben. Weil sie aus den Fabriken und Dienstleistungsunternehmen nicht genug Profit herausquetschen konnten, mussten sie immer riskanter auf den Finanzmärkten spekulieren.

Wir haben aber auch die Fähigkeiten, die Weltgesellschaft am Laufen zu halten! Wir tun es ja bereits, denn wir produzieren den gesellschaftlichen Reichtum. Aber können wir uns wirklich vorstellen, die Welt selbst zu regieren? Die Fragestellung scheint ungeheuerlich: ohne Regierungen und Staaten, ohne Banken und Geld – wie kann das gehen!? Gibt es dann morgens frische Semmeln? Fahren die Busse, Züge, …? Wer streiken kann, der kann auch die Produktion und den Betrieb aufrechterhalten! Noch viel wichtiger: der kann alles ändern und dafür sorgen, dass wir nicht mehr länger uns selbst und den Planeten mit unserer Arbeit und deren Produkten kaputtmachen! Es ist schließlich nicht nötig, dass jemand morgens um 3.45 Uhr Schichtwechsel hat! Oder dass jemand 40 Jahre lang acht Stunden am Tag in jeder Minute dieselben 73 Schrauben anzieht. Da können wir uns ganz andere Dinge vorstellen!

Seht Euch doch mal in der Welt um – in Lettland und Island haben sie schon die Regierungen mit Protesten gegen die Krise gestürzt! In Chicago haben ArbeiterInnen ihre Fensterfabrik besetzt und gerade findet in Schottland eine Betriebsbesetzung statt, weil zwölf KollegInnen entlassen wurden – das ist Solidarität! Anstatt immer nur alleine abzuwarten was passiert, sollten wir mal zusammen etwas machen – es muss doch nicht gleich total erfolgreich sein, es geht viel mehr um das Erfahren von Zusammenhalt und Austausch – dass wir füreinander da sind und zusammen etwas erreichen können! Es wird sich schon zeigen, wie gut oder schlecht das funktioniert! Nur solltet Ihr mal anfangen, Euch selbstständig zu wehren!

Lasst Euch nicht wie Lämmer auf die Schlachtbank führen!
Chefs und Staat waren noch nie auf unserer Seite!

Und wenn das Geld in den letzten Jahren sowieso nur Spielgeld war – und wenn diese Spielchen nun so furchtbar zusammengekracht sind – können wir uns dann nicht vorstellen, die gesellschaftliche Produktion ohne Geld aufrechtzuerhalten? Müssen wir uns das nicht sogar vorstellen? Anstatt in Demut abzuwarten, dass die Krise mal wieder auf unserem Rücken ausgetragen wird, sollten wir da ein Wörtchen mitreden! IHR SEID NICHT ALLEIN!

Denkt mal drüber nach!
Und redet mit Euren KollegInnen.

Unsere Website: www.catbull.com/grauzone

Schreibt uns und diskutiert mit uns, kritisiert uns und schreibt uns eure Meinung: grauzone@catbull.com

Wir sind lernfähig! ☺

3 Antworten zu “SWAROVSKI FLUGBLATT”

  1. crust/off Sagt:

    bravo, bravo! nur der verweiss auf die HP ist …..nit so super, weil HP auch nit so super.
    trotzdem….herzschmerz an die 30ger des letzten jahrhubdertds :-)

  2. chris501 Sagt:

    zustimmung von vorn bis hinten… die situation für arbeitnehmer wird immer schlechter, egal wo auf dieser kleinen welt. ICH HOFFE ES FOLGEN AUCH MAL AKTIONEN, denn wir österreicher (und auch die tiroler) haben in den letzten 200 jahren viel zu selten den mund aufgemacht!
    weiter so!!!

  3. Sophie Sagt:

    super dass sich jmd gedanken macht und die leute mal versucht zum denken anzuregen!
    KAPITALISMUS IST GESCHEITERT! LET’S SMASH IT!


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