STUDENT*INNEN FLUGBLATT
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Studieren heißt Funktionieren! ALLES in Frage stellen!
In Griechenland und Italien ist man schon länger auf der Straße, nun geht’s auch bei uns los!
Letzte Woche fingen in Wien die StudentInnen an, sich gegen den sogenannten »Bildungsabbau« zu wehren, der schon seit Jahren überall im Gange ist. In Österreich bekommen wir StudentInnen das am meisten durch überfüllte Hörsäle, mageres Angebot an Vorlesungen und Seminaren, teilweise durch Studiengebühren und absurd einseitiger Wissensvermittlung zu spüren. Bildung auf der Uni ist schon lange nicht mehr das, was Rudi Dutschke einmal Wissenschaft nannte: Die Aufklärung über unverstandene Mächte. Anstatt massenhaft darüber zu diskutieren und zu philosophieren, wie wir diese immer schon kriselnden kapitalistischen Verhältnisse verändern könnten, bekommen wir immer neue Märchen über Reformen, Staaten, über die Geschichte, usw. vermittelt. An den Unis wird – im Gesamten betrachtet – Herrschaftswissen vermittelt, das sich an der Frage »wie kann man ›Kapitalismus‹ reparieren und verbessern?« entlang hantelt. Kritische Seminare und Vorlesungen blieben völlig wirkungslos – bis jetzt?
In Wien, Graz, Linz, Salzburg und Klagenfurt werden Hörsäle besetzt. Aber die Forderungen, die u. a. darauf abzielen, mehr Geld für Bildung zur Verfügung zu bekommen oder die irgendwelche Strukturen »demokratischer« gestalten wollen, bleiben absolut konform und gehen nicht an die Wurzel des Problems – nämlich des Problems, dass Bildung dazu dient, billige, disziplinierte und schnell verfügbare akademische Arbeitskräfte auszubilden und sie einzusetzen, wo immer sie die PolitikerInnen und KapitalistInnen für ihre Propaganda brauchen – falls wir nicht selbst diese so gehassten »PolitikerInnen« und »KapitalistInnen« werden!
Was führte eigentlich zur Entstehung von Universitäten? Es war die Ideologie des Universalismus. Es war genau diese Ideologie – von der alles übergreifenden Wahrheit (dass es soetwas wie universal gültige Wahrheiten gibt!) – die die Kader geschmiedet hat, die im kapitalistischen Weltsystem bestimmen, wer gegen wen Krieg führt und wer wieviel vom Kuchen abbekommt – die Kader sind jene »PolitikerInnen« und »KapitalistInnen«, die jetzt so verzweifelt versuchen, die ganze aufgeblasene, giftige Finanz- und Wirtschaftswelt zu retten und jene DoktorInnen und WissenschaftlerInnen, die uns in langweiligen, immer gleichen Diskussionsrunden und Büchern seit den 70ern erzählten, dass der freie Markt das einzig Wahre sei – seit zwei Jahren plötzlich erklären uns dieselben Leute, der regulierte Markt sei das einzig Wahre – die »soziale Marktwirtschaft«. Dabei hat es soetwas wie »freien Markt« und »regulierten Markt« immer schon gegeben und beide Worthülsen stehen für dasselbe: Kapitalismus! Das, was sie »soziale Marktwirtschaft« nennen, ist Kapitalismus in einer spezifischen historischen Phase und hat uns die heutige Weltkrise gebracht. Kapitalismus musste immer auch ein bisschen »sozial« sein und ein Glücksversprechen abgeben, um die Leute bei der Stange zu halten!
Wir StudentInnen sollten den Feind wieder auf den Schirm bekommen: nämlich nicht nur jene Eliten in Menschengestalt, die nix vom Ende des Kapitalismus hören wollen und immer andere Ausweichmanöver erfinden, wenn es um Widerstand geht, sondern das globale Weltsystem namens Kapitalismus, das hinter unserem Rücken eine Welt aufbaut, die mit immer weniger Arbeit immer produktiver wurde – und das zu einem Preis, der nicht nur Milliarden von Menschen enteignete und in Fabriken und Arbeitslager trieb, sondern auch verhungern und in Kriegen sich gegenseitig abschlachten ließ. Die Universitäten spielten eine gewichtige Rolle in der Entwicklung und Legitimation dieser blutigen Geschichte des Kapitalismus. Gerade auch das sollten wir kritisieren, wenn wir dafür eintreten, aus dieser Gesellschaft eine bessere machen zu wollen. Wir sollten Verbindungen zu anderen Kämpfen herstellen. Wir sollten uns die Kämpfe der ArbeiterInnen in China, in Indien und in den von Schließung, Lohnkürzung (etwa durch Kurzarbeit) und Deindustrialisierung betroffenen Regionen ansehen. Die Rettungs- und Konjunkturpakete ersetzen nicht den Kampf um eine bessere Welt. Sie sind eigentlich nur Pakete für die KapitalistInnen, die Angst um ihre Profite haben und helfen uns StudentInnen, den weltweiten Unterklassen und den ArbeiterInnen überhaupt nicht.
Wir StudentInnen können nur gemeinsam als Teil einer breiten Front gegen die globalen kapitalistischen Verhältnisse fungieren – und nur als solche sind wir in der Lage, unsere momentanen Forderungen nach Abschaffung bzw. Verhinderung von Studiengebühren und größerer Autonomie durchzusetzen. Wir sollten über den Tellerrand schauen, was einmal bedeutet: Mit ArbeiterInnen, SchülerInnen, MigrantInnen reden und solidarisieren! Und was andererseits bedeutet: Die jetzige Krise kapieren als das Ende einer historischen Konstellation: Kapitalismus, wie wir ihn heute kennen, bedeutet industrielle Herstellung von langlebigen Produkten des Massenkonsums (Nähmaschine, Staubsauger, Auto, Kühlschrank, …) auf der Grundlage des Fließbands, der Fabrik. Das Modell um die zwei zentralen strategischen Waren Erdöl und Auto, um die unsere Welt ab Ende des 19. Jahrhunderts aufgebaut wurde, steckt in der Krise und ein Ende ist nicht in Sicht.
Die Konstellation Fließband – Massenkonsum ist in den 70ern an Grenzen gekommen, technisch – durch Überakkumulation – sowie politisch – durch die Klassen- und antikolonialen Befreiungskämpfe in der Dritten Welt in den 60er und 70er Jahren. Die 35jährige neoliberale Krise bis heute hat diese Konstellation am Ende des 19. Jahrhunderts abgeschlossen: Die Welt ist zum größten Teil industrialisiert (China, Indien, …), die damals entstandenen Industriegewerkschaften sind am Ende, die Sozialdemokratie am Arsch. Die globalen Unterklassen und die globale Arbeiterklasse werden von niemandem (mehr) vertreten! Das haben wir Studis mit ihnen gemeinsam: Wir werden auch von keinem mehr vertreten, weder von irgendwelchen PolitikerInnen oder Wissenschafts- und Bildungsministerien, noch von der ÖH! Wir haben auch gar keinen Bock mehr auf die reaktionär-institutionell gebundenen ÖH-VertreterInnen, die sich sogar jetzt noch von uns und dieser Demo/Kundgebung distanzieren! Wir müssen uns selbst vertreten, gleich wie die ArbeiterInnen.
Deshalb sollten wir uns genau ansehen und analysieren, was rund um uns herum passiert!
Die Zeit des Jammerns ist vorbei, jetzt heißt es kämpfen!
Wir rufen alle StudentInnen, SchülerInnen, ArbeiterInnen … auf, sich mit ihrer miesen Situation zu befassen! Niemand braucht sich einreden, dass es ihm/ihr »eh noch gut« geht! Hört nicht auf Parteien, Gewerkschaften, »ExpertInnen«, Tageszeitungen, usw. Die verbreiten viel Scheisse! Seid solidarisch, interessiert euch füreinander und fangt endlich selbständig an, über eine neue Gesellschaft nachzudenken! Nur wer begreift, was wirklich um uns herum passiert und sich kollektiv und autonom organisiert (im Betrieb, auf der Uni, in der Schule, im Stadtteil, …), hat auch die Macht, etwas zu verändern!
* ORGANISIERT GEGEN-SEMINARE UND GEGEN-VORLESUNGEN!
* HÖRT AUF ZU FUNKTIONIEREN!
* NICHT NUR DER HAHN GEHÖRT GERUPFT – DER GANZE STALL MUSS ABGERISSEN WERDEN!
Wir wissen, dass alle Punkte in diesem Flugblatt nur unzureichend und sehr knapp ausgeführt sind. Viele Dinge bedürfen einer intensiveren Auseinandersetzung und einer genaueren Erklärung. Wer darüber reden will und Fragen hat, soll uns kontaktieren:
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