REAKTIONEN ZUM AUSSCHLUSS
Hier veröffentlichen Solidaritätsbekundungen rund um den Ausschluss aus der p.m.k
Grauzone muss bleiben!
Ein Konzert im p.m.k. in Innsbruck wird von Rechtsradikalen angegriffen. Und was macht das p.m.k? Anstatt sich mit den Betroffenen zu solidarisieren, werfen sie die VeranstalterInnen, das antifaschistische Kollektiv Grauzone hinaus. Wir solidarisieren uns hiermit mit der Grauzone und fordern Raum für Antifaschismus und Gegenkultur!
An das p.m.k. – an den Vorstand und an alle die im p.m.k aktiv sind!
Rechtsradikale greifen eine Veranstaltung in eurem Lokal an, die Polizei verhaftet nicht die Angreifer sondern stürzt sich auf die BesucherInnen des p.m.k, es kommt zu mehreren Festnahmen, Schlagstöcke und Pfefferspray werden eingesetzt. Und was tut ihr?
Anstatt euch mit den Verhafteten, den BesucherInnen und der Veranstalterin Grauzone zu solidarisieren, die Polizeigewalt zu verurteilen und euch gegen rechtsextreme Gewalt zu positionieren schmeißt ihr einfach die Grauzone hinaus. Problem gelöst?
Wenn ihr wirklich glaubt, mit dem Ausschluss der Gruppe, die sich am deutlichsten gegen faschistische Strömungen ausspricht, würdet ihr in Zukunft gegen Angriffe von rechts geschützt sein, dann werdet ihr vermutlich bald eines besseren belehrt werden. Gewalt ist keine Spirale, wie euch jede verprügelte Frau, jeder von Skins zusammengeschlagene Migrant oder auch jeder brutal verhaftete Demonstrant bestätigen kann. Rechte Gewalt existiert nicht nur, sie wird gerade in Österreich massiv spürbarer, und dass dafür nicht eine militante linke Massenbewegung verantwortlich gemacht werden kann ist leicht ersichtlich.
Wirklich niemandem ist zu wünschen Opfer von rechten Schlägern zu werden, selbstverständlich auch euch nicht. Trotzdem wird sich bei vielen ein Hauch von Genugtuung einstellen, wenn das p.m.k. auch ohne Grauzone früher oder später wieder von Rechten heimgesucht wird. Nicht weil wir nicht mit den Betroffenen fühlen, sondern weil ihr vielleicht dann verstehen werdet, dass man faschistische Gewalt nicht beendet indem man die AntifaschistInnen hinaus wirft. Diejenigen für faschistische Tendenzen verantwortlich zu machen die sich am deutlichsten dagegenstellen, ist ein genauso großer Fehler wie diejenigen Verantwortlich zu machen die als erstes von rechter Gewalt betroffen sind. In einem Land in dem statt von Rassismus lieber vom ‘Ausländerproblem’ geredet wird sollte dieser Trugschluss ja nicht mehr überraschen, trotzdem kann von einem Verein dessen Geschäftsführung sich als antifaschistisch bezeichnet mehr erwartet werden. Sich antifaschistisch zu nennen macht einen aber leider noch nicht zu einem besseren Menschen, nur durch aktive Solidarität kann diese Selbstbezeichnung mehr sein als ein Lippenbekenntnis.
Es mag weltanschauliche Differenzen zwischen dem p.m.k Vorstand und der Grauzone geben, die sich nicht aus der Welt schaffen lassen. Gegenkulturelle und politische Initiativen bekommen in diesem Land wenig Raum, da kann es schon einmal vorkommen dass sich Gruppen unter einem Dach zusammen raufen müssen die sich nicht als beste Freundinnen betrachten. Diese weltanschaulichen Differenzen als Vorwand für einen Rauswurf heranzuziehen ist aber gerade jetzt ein falsches Signal. Gerade kurz vor dem Burschenschafterkommers in Innsbruck sollte die p.m.k sich fragen wo ihre Solidarität liegt, und welche Inhalte sie nach aussen transportieren will. Der Ausschluss der Grauzone setzt ein klares Signal gegen antifaschistischen Widerstand, für aktive Zusammenarbeit mit der gewalttätigen und rechten Polizei und gegen Betroffene von rechter Gewalt. Ob ihr diese Zeichen setzen, oder ob ihr euch doch anders positionieren wollt liegt bei euch.
Wir richten diese Stellungnahme bewusst nicht nur an den Vorstand der p.m.k. Auch alle anderen die im p.m.k aktiv sind müssen sich letztlich fragen, in was für einem Verein sie arbeiten wollen.
Wir sind gespannt wie ihr euch entscheidet.
Welche sich nicht bewegt spürt ihre Fesseln nicht – wir hoffen dass ihr euch bewegt!
einige von no-racism.net
==================================================================
Zum Ausschluss des Kulturvereins Grauzone aus der plattform mobiler kulturinitiativen (p.m.k.)
Ende Mai wurde der Kulturverein Grauzone aus der plattform mobiler kulturinitiativen (p.m.k.) Innsbruck per Vorstandsentscheid ausgeschlossen. Eine Nachfrage beim p.m.k.-Vorstand ergab, dass der Ausschluss aufgrund politischer Differenzen und fehlender Kooperationsbereitschaft der Grauzone erfolgte. Da mir der Einblick in die internen Debatten der p.m.k. fehlt und ich bei den Ereignissen, die vom Vorstand als Beleg für die Notwendigkeit des Ausschlusses angeführt werden, nicht anwesend war, kann ich mir diesbezüglich kein Urteil erlauben. Allerdings entstanden im Kontext des Entscheids öffentliche Bilder des KV Grauzone, die ich aufgrund meiner langjährigen Zusammenarbeit mit der Gruppe nicht unkommentiert lassen möchte.
1. Der Grauzone wird vorgeworfen, Gewalt als bedingungsloses politisches Mittel zu predigen und anzuwenden. Ich habe, seitdem der KV Grauzone Ende der 90er Jahre gegründet wurde, wiederholt mit Angehörigen der Gruppe in politischen Kampagnen zusammengearbeitet und dabei weder Gewaltpredigen gehört noch gewalttätige Angriffe gegen andere, inklusive rechtspopulistische Hetzer oder neonazistische Schläger, miterlebt. Zum Verhalten Grauzone-Angehöriger in Zusammenhang mit jüngsten Angriffen auf die p.m.k. seitens rechter Gruppen kann ich, wie gesagt, keine Stellung beziehen. Sollte sich die Kritik an der Grauzone jedoch alleine auf die Bereitschaft konzentrieren, ein gemeinsames Veranstaltungslokal zu verteidigen, so überrascht mich das. Das Prinzip der Selbstverteidigung wird von 98% der Tiroler Bevölkerung gutgeheißen. In jedem Fall ist die Darstellung der Grauzone als gewalttätiger Stoßtrupp schlicht absurd.
2. Der Grauzone wird vorgeworfen, Kunst und Kultur der Politik unterzuordnen. Dies ist schlichtweg falsch. Die Grauzone – wie im Übrigen auch der p.m.k.-Vorstand – sehen Kunst, Kultur und Politik unmittelbar miteinander verknüpft. Gerade aus diesem Grunde wird die politische Verantwortlichkeit, die Kunst- und Kulturschaffenden zukommt, betont. Was daran falsch sein soll in Zeiten, in denen politische Apathie einen wesentlichen Grund für die Verschärfung zahlreicher gesellschaftlicher Probleme darstellt, ist mir nicht klar. Dass sich das Kulturverständnis der Grauzone dabei weder auf sozialistischen Realismus noch auf Propagandakunst beschränkt, lässt sich alleine an der Liste der Veranstaltungen der Gruppe ablesen (siehe „History“ auf http://www.catbull.com/grauzone/).
Womöglich passt die Orientierung des KV Grauzone tatsächlich nicht in einen „Dienstleistungsbetrieb“, wie ihn der Vorstand der p.m.k. versteht. Es liegt nicht an mir, dies zu entscheiden, sondern an jenen, die einen solchen Betrieb aufrechterhalten wollen. Festhalten will ich jedoch, dass der KV Grauzone seit über einem Jahrzehnt eine für Innsbruck ausgesprochen wichtige kulturpolitische Arbeit macht, die keineswegs nur auf einen Kreis obskurer Militanter beschränkt bleibt, sondern Grundpfeiler einer aktiven und engagierten politischen Kultur ist. Die Grauzone ist dafür weit über die Grenzen der Stadt Innsbruck und des Landes Tirol hinaus bekannt und gilt vielen Kulturinitiativen im deutschsprachigen Raum als Vorbild – auch in weit größeren Städten mit weit stärkerer kulturpolitischer Infrastruktur. In diesem Sinne bleibt zu hoffen, dass die Arbeit der Gruppe auch außerhalb der p.m.k. weitergehen kann. Ohne Eingebundenheit in die Plattform und Zugang zu ihren Räumlichkeiten stellt dies freilich eine ausgesprochene Herausforderung dar. Es sei daher an alle appelliert, die Aktivitäten und damit das Weiterbestehen des KV Grauzone nach Möglichkeit zu unterstützen!
Gabriel Kuhn
Autor/Übersetzer
Stockholm, Schweden
================================================================
Offener Brief zum Ausschluss des Kulturvereins Grauzone aus der p.m.k
In der Nacht vom 25. auf den 26. April 2008 wurde ein Konzert des KV Grauzone (bzw. dessen BesucherInnen) zum mehrmaligen Angriffsziel rechtsextremer und neonazistischer Schläger.
Im Zuge des Abends kam es ebenso zu einem Polizeieinsatz gegenüber KonzertbesucherInnen. Von Seiten der Polizei wurde dieser Einsatz rund um die p.m.k nicht öffentlich gemacht, es gab keine offizielle Presseaussendung zu den stattgefundenen Vorfällen.
Filmaufnahmen eines Konzertbesuchers dokumentieren jedoch das harte Vorgehen (u.a. Schlagstock- und Pfeffersprayeinsatz, Verhaftungen etc.) der Exekutive, der keine Angriffe Rechtsextremer an diesem Abend aufgefallen sein wollen. Teile der Aufnahmen wurden an diverse MedienvertreterInnen weitergeleitet und die Polizei musste ihr Vorgehen (da entsprechend dokumentiert) rechtfertigen. Über den Polizeieinsatz wurde in Tages- als auch Wochenzeitungen und im TV (Tirol heute) berichtet.
Zur Veröffentlichung der Filmaufnahmen hätte es jedoch im Sinne des KV Grauzone nie kommen dürfen. Der KV Grauzone wurde unter anderem aufgrund des „Wirbels um Polizeigewalt“ (Presse.com, 28.04.09) aus der p.m.k ausgeschlossen.
Kurz zur Zusammenfassung:
Rechtsextreme greifen mehrmals ein Hip-Hop Konzert an, die Exekutive schreitet in Folge davon gegenüber antifaschistischen KonzertbesucherInnen ein, der polizeiliche Einsatz und die rechten Provokationen werden (u.a. mit Unterstützung der VeranstalterInnen) öffentlich gemacht und genau diese KonzertveranstalterInnen werden aufgrund der angeblich von ihnen ausgehenden Gewalt, die sie selbst erst öffentlich machten, aus der p.m.k ausgeschlossen.
Irgendwie absurd, oder nur eine Innsbrucker Besonderheit in Zeiten eines zunehmenden gesellschaftlichen Rechtsrucks?
Seit der Entstehung der p.m.k ist der KV Grauzone einer der am meisten innerhalb der p.m.k-veranstaltenden Vereine (siehe History). Stets präsentierte sich der KV Grauzone als politisch. Antirassismus, Feminismus als auch Antifaschismus waren Inhalte, die der Verein im Rahmen vieler Konzerte, Vorträge, Ausstellungen, Aktionen, Lesungen und Filme propagierte.
Gleichfalls wurde ebenfalls in p.m.k-internen Strukturen von Seiten des KV Grauzone versucht diese Standpunkte (oft auch vehement) entsprechend zu vertreten. In diesem Zusammenhang machte sich der Kulturverein aber auch bei Personen innerhalb der p.m.k unbeliebt, für die Feminismus wohl mehr ein Schimpfwort ist und zivilcouragiertes Engagement gegenüber rechtsextremer Gewalt hinter der geschlossenen Eingangstür der p.m.k (wenn überhaupt) beginnt.
Folglich kann vermutet werden, dass der „Wirbel um Polizeigewalt“ gewissen p.m.k-Verantwortlichen (4/5 des Vorstandes, die Geschäftsführerin und möglicherweise dahinter stehenden politischen Verantwortungsträgern) gerade recht kam und diese unter Zuhilfenahme individueller Machtpositionen den KV Grauzone aus der p.m.k hebelten.
Mit Hilfe eines Schnellausschlussverfahrens wurde somit das jahrelange Formulieren kritischer Positionen mittels des Vorwands der Gewaltausübung in einer Art vorauseilendem Gehorsam gegenüber SubventionsgeberInnen bestraft. Dieses rasche Vorgehen sollte eine demokratische Abstimmung aller in der p.m.k organisierten Vereine über den Verbleib des KV Grauzone verhindern, da eine Mehrheit bezüglich des Ausschlusses ungewiss war und Widerstand anderer Vereine gegen den Ausschluss zu erwarten war.
Die Logik der p.m.k-Verantwortlichen (und damit ist keinesfalls die Gesamtheit aller Vereine gemeint) ist leicht zu durchblicken: In Zeiten eines gesamtgesellschaftlichen Rechtsrucks muss sich auch „die Kultur“ von antifaschistischen und kritischen Stimmen distanzieren, sobald diese sich nicht auf einzelne Begriffe in Vereinsstatuten beschränken.
Opportun ist aus Sicht von 4/5 des p.m.k-Vorstandes und der Geschäftsführung wohl vielmehr, einen gesellschaftlichen Zeitgeist unhinterfragt zu unterstützen, in dem Kritik an autoritär-herrschenden Verhältnissen „gefährlich“ (besonders für den eigenen Subventionsgeldbeutel) wird, rechtsextreme Schläger ihre Umgebung ungestraft terrorisieren können und jene, die auf diese Vorgängen hinweisen und sich gegenüber diesen zur Wehr setzen, der Boden unter den Füßen entzogen wird.
Ein wahres Zeichen der Zeit ist es, wenn Kulturtreibenden die ihnen zugewiesene Rolle als modernem Hofnarren (in welcher Kritik noch geäußert werden darf) gar nicht mehr wahrnehmen, sondern vielmehr zum Hampelmann der gesellschaftlich Mächtigen und des Opportunismus werden.
So zementiert sich die gesellschaftliche Unmündigkeit in einer Variante des Denkens, die sich die „Kultur“ mit dem (unbewussten) Ziel der Selbstvernichtung auf die eigene Fahne geschrieben hat.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Ein ehemaliger Mitarbeiter verschiedener Initiativen in und um die p.m.k, ehemaliges Mitglied des KV Grauzone und nun auch ehemaliger p.m.k Besucher
===================================================================
Sehr geehrter Vorstand der p.m.k, sehr geehrte Geschäftsführerin
Liebe Kunst- und Kulturschaffende
Eure Stellungnahme zum Ausschluß der Grauzone können wir als Kunst- und Kulturschaffende nicht akzeptieren. Gerade Kunst- und Kulturarbeit, die sich als „Gegenkultur“ versteht, bewegt sich im Widerspruch zum politischen Mainstream der Zeit und muß in einem Land wie Österreich radikale Positionen einnehmen.
Wenn rechtsextreme und konservative Parteien, die „Abartigkeit der Kunst“ angreifen, in Regierungen sitzen und Kunst- und Kulturförderungen vergeben, kann das nicht bedeuten, dass sich Kunst- und Kulturschaffende anbiedern und Andere denunzieren und ausschließen.
Gerade vor der Tatsache, daß das p.m.k. Publikum und VeranstalterInnen rechtsextremen Angriffen und Provokationen ausgesetzt waren, ist ein Einschreiten mit Zivilcourage eine Notwendigkeit. Die Gruppe die sich am vehementesten gegen diese Übergriffe zur Wehr setzte, jetzt auszuschließen, ist nicht nur ein Tritt gegen jegliches antifaschistisches Selbstverständnis sondern zeigt symbolisch die Redundanz des österreichischen Mitläufertums in den rechten Morast der Geschichte.
Die von euch vorgenommene Schuldumkehr, die Gewalt antifaschistischen Personen zuzuschreiben und diese auszuschließen reiht sich in die Diktion der FPÖ.
Eure Argumentation in der Stellungnahme, daß staatskritische/feindliche Gruppen antidemokratisch wären beweist euer dürftiges Politikverständnis, da gerade jene auf kollektiven konsensualen Entscheidungen, Partizipation und Selbstbestimmung aufbauen.
Eure vielgepriesene RECHTSstaatlichkeit ist Ausdruck der HERRschenden Macht- und Gewaltverhältnisse. Wenn euer einziger wirksamer Weg eure kultur- und gesellschaftspolitischen Ziele und Anliegen zu realisieren in der Kooperation mit Politik und auch Polizei liegt, fragen wir uns was das für Ziele und Anliegen sind. Entpolitisierte Selbstverwirklichung? Nette StudentInnenpartys und sexistischer Grindcore ala Lividity?
Wer den Begriff Gewalt so unbedarft verwendet, verschleiert die wahren Verhältnisse und räumt denen Macht und Gewalt ein, die sie auch ausüben, sei es denen die mit Subventionskürzungen drohen, an der medialen Fehlberichterstattung verdienen, mit Gesetzbuch und Waffengewalt (Pfefferspray) den rechten rassistischen Konsens Österreichs durchsetzen oder mit direkten faschistischen Aggressionen vor der p.m.k. aufwarten.
Es gehört schon eine Portion Mut und Standhaftigkeit dazu gegen rechte Medienberichterstattung und Drohungen der Polizei Position zu beziehen, eure ist sicher keine Richtige im Falschen.
Wenn ihr in Zukunft „Sieg Heil“ grölenden SkinHeads, die mit Fahrradwürfen parkende AnrainerInnen verärgern, einen offenen Raum vor und in der p.m.k schaffen wollt, dann tut dies, aber mit unserem Widerstand könnt ihr rechnen.
Einige aus dem antifaschistischen Kunst- und Kulturzentrum EKH
===================================================================
An den lieben Vorstand der p.m.k!
Herzlichen Glückwunsch. Endlich sind sie weg…die deppade grauzone. Wirklich!! Das habt ihr tatsächlich gut hinbekommen. Stellt euch bloß vor, eine der wenigen Zusammenhänge, die sich tatsächlich um die augenblicklichen Verhältnisse den Kopf zerbricht, dabei sogar einen linksradikalen Standpunkt einnimmt (hui!) und ein aktives antifaschistisches Engagement an den Tag legt, in Österreich, mitten in Innsbruck, in der p.m.k? Einfach nicht zum Ausdenken. Hat so etwas Tradition in Österreich? Genau, ihr habt es richtig erkannt: Hat es nicht! Darum auch die logische Konsequenz: Raushaun die linke Brut! Bravo, Bravissimo! Damit befindet ihr euch auch komplett im österreichischen Polit-Mainstream und das rudert im Moment, wie ihr sicherlich wisst, kräftig nach rechts.
Zu den angeblichen Provokationen von Seiten der grauzone, der Notwehr: Wenn Faschos das p.m.k-Publikum angreifen, weil gerade ein antifaschistisches Konzert stattfindet, dass möglicherweise von der grauzone organisiert wird oder sich sonst wie Antifaschist_innen in den Räumlichkeiten gerade aufhalten um den letzten Tratsch zu erfahren, jene sich den Angreifenden in den Weg stellen und dann in Folge der Verein grauzone aus der p.m.k fliegt, dann erscheint für uns euer Schluss nicht besonders logisch – wäre das nicht so ähnlich wie wenn Rechte ein Asylwerber_innenheim anzünden, die Migrant_innen sich dagegen wehren, es zu einer Auseinandersetzung kommt und deshalb die Asylwerber_innen abgeschoben werden sollen? Da verdreht ihr was gewaltig. Wir finden es scheiße, dass ihr nur blöde Vorwände bringt und die eigentlichen Tatsachen nicht auf den Tisch legt. Wir vermuten nämlich mal ganz stark, dass euch eure Subventionsgeber_innen gedroht haben Mittel zu streichen, wenn ihr weiterhin einen Verein, wie die grauzone unterstützt bzw. das halt eurer Meinung nach nicht so gut im jährlichen Antragsformular kommt. Daher fordern wir euch auf diese blöden Scherze sein zu lassen und die grauzone wieder in eure Räumlichkeiten aufzunehmen! Und euch in Zukunft, wenn wiedermal Faschos euer Kulturzentrum angreifen, euch hinter (in welcher Form auch immer) die Leute stellt, die sich und die Lokalität versuchen zu schützen.
Dazu ein anderes aktuelles Beispiel: Wenn mensch den Opfern des Nationalsozialismus aktiv! gedenkt, also antifaschistisch handelt, so wie vor kurzem bei der Gedenkveranstaltung im KZ Ebenensee, so ist das, laut Innenministerin Fekter, ebenfalls eine Provokation und man dürfe sich nicht wundern, wenn man in Folge von Neonazis angegriffen wird. Dieses Argumentationsmuster greift ihr 1:1 auf: Grauzone handelt antifaschistisch indem sie Veranstaltungen zur Thematik organisiert und klar Position gegen Faschismus bezieht, dadurch angreifbar wird, kriegt dafür eins auf die Schnauze und vice versa, ist somit eindeutig von euch als eigentlicher Provokateur auszumachen und demnach aus dem Kollektiv der p.m.k auszuschließen. Danach wird Ruhe einkehren? Glaubt ihr das wirklich? Im „besten“ Fall wird sich der Konflikt verlagern. Hauptsache nicht vor/in der p.m.k, sondern vielleicht schon im nächsten migrantischen Viertel in eurer Stadt?
Zum Glück seid ihr ja mit eurer Ausschlusspraxis/Konfliktmanagement nicht alleine, sondern ganz auf Linie mit der Stadtregierung. Auch andere fortschrittliche Gruppen, die versuchen dem ganzen gesellschaftlichen Wahnsinn einen Spiegel vorzuhalten und das mit „expliziter politischer Zeigefingerhaftigkeit“, werden aus bereits institutionalisierten Zusammenhängen in Innsbruck gekickt. Habt sicher schon was vom Autonomen Frauenlesbenzentrum gehört und dass die Stadt ihnen die Subventionen nun streichen möchte. Die haben wohl auch zuviel „Notwehr“ geleistet und Frauen Schutz vor Verfolgung geboten oder aktiv patriarchale Verhältnisse angegriffen. All das seht ihr außerhalb bestimmter politischer Verhältnisse in diesem Land, denn wenn Unrecht rechtstaatlich organisiert wird, ist ja alles recht, gell?
Und Kunst, ja der liebe Kunstbegriff. Kunst, so schreibt ihr, ist nämlich schon per se „eine gesellschaftspolitisch relevante Kraft“. Nunja, kommt immer auf den Standpunkt an, ob man was verändern will oder nicht. Relevant ist Kunst immer, aber wozu? Um den Status quo aufrecht zu erhalten oder ob man in gesellschaftliche Belange intervenieren möchte. Kunst muss erstens verstanden werden, ansonsten ist sie überflüssig oder elitär, was ebenfalls grauslich ist. Und wenn Kunst verstanden wird, aber nicht gesellschaftsverändernd wirkt, ist sie dann überhaupt noch Kunst? Oder dann doch etwas zu dem mensch Popcorn mampft, die Füße hochlegt und dabei entspannt? Oder in anderen Worten, mensch untätig bleibt und die einzig relevante gesellschaftspolitische Kraft die von dieser Form der „Kunst“ ausgeht allein die ist, sich zu reproduzieren und somit die ganze Scheiße in der Gesellschaft am Laufen gehalten wird?
Wie Kunst vermittelt werden soll, damit sich was ändert, ist oft schwierig. Die grauzone versucht das auf ihre Weise und hat, so wie es scheint, Erfolg, denn selbst Neonazis und Rechtsextreme kapieren, dass das was da vorgetragen wird, sich gegen sie richtet. Genau das was weithin verstanden wird, wird nun von euch abgedreht? Definiert sich die p.m.k nun antifaschistisch oder nicht? Unverständnis macht sich breit. Und es ist nicht nur der Antifaschismus, der von der grauzone propagiert wird, das sei auch noch dazu gesagt, aber das wisst ihr eh.
Und überhaupt, diese faule Bande grauzone. Ham nix gemacht sagt ihr. Wir haben nochmal nachgeschaut ob das stimmen kann und uns durch die verschiedenen an Zahl kaum zu überblickende Flut an regelmäßig erscheinenden Info- und Veranstaltungsblätter aus der p.m.k gewühlt. Fanden dann aber doch nur die letzte 12-seitige Grauzone Info mit der Nr. 45. Hmhm! Und tatsächlich, die grauzone organisiert von März bis Juni 2009 nur 10 Konzerte mit 18 Bands und einen Vortrag, schreibt mehrere verschiedene Texte zu aktuell politischen Dingen und gibt auch noch Tipps darin, wie man sich im juristischen Jungel zurecht finden kann. Das ist natürlich zu wenig, da habt ihr völlig recht, sehen wir auch so, da muss mehr her. Grauzone rein, Input raus!
ÄT Gewalt: Echt in aller Kürze, weil ihrs „eh“ schon geblickt habt. Gewalt existiert nicht, nicht in den Familien, nicht gegenüber Frauen, nicht gegenüber Migrant_innen, schon gar nicht gegenüber politisch tätigen Menschen, die gegen diese Gewalt auftreten und aufzeigen, wie diese entsteht. Ferner gibt es auch keine Zurichtung des Subjekts auf die Bedürfnisse der kapitalistischen Produktionsweise, die weiß der liebe Gott wie viel Leute schon in den Selbstmord getrieben hat oder die sonst wie einen Klescher davon bekommen haben. Ganz zu schweigen von der monopolisierten Staatsgewalt, die weiß der Kuckuck wie viele Leute bereits auf dem Gewissen hat. In den Schubhäfen, an den Grenzen, auf offener Straße. Aja und Kriege, stimmt Kriege, die gibts ja auch noch ordentlich. Aber ihr, lieber Vorstand der p.m.k glaubt, dass jenes gewaltförmige Potential, dass seit jeher unsere Gesellschaft durchzieht – was sich ja ändern lässt – vor der p.m.k einen Bogen macht indem ihr Gewaltlosigkeit predigt? Bissi naiv nicht? Ignorieren und heile Welt spielen hat noch nie eine Frau vor sexuellen Übergriffen geschützt.
Hingegen aktives vehementes Eintreten gegen offene und verborgene strukturell diskriminierende Mechanismen in der Gesellschaft können helfen einer gewaltlosen Welt näher zu kommen. In dem Zusammenhang nochmals: Warum glaubt ihr haben Rechte etwas gegen euren Laden? Weil ihr dort (noch?) gewisse Werte hochhaltet. Wenn diese dann auf euch draufrennen, dann gilt es sich eben zu verteidigen. Wie dies im Detail ausschauen könnte, muss diskutiert werden. Jedenfalls den Konflikt zu ignorieren oder zu verlagern und den Schluss jene auszuschließen, die im Grunde bereit wären eure Räumlichkeiten und gemeinsame Werte zu verteidigen, halten wir für nicht nachvollziehbar.
Und ja, wir verstehen in dem Zusammenhang nicht ganz euren Ansatz, wie ihr die „Zusammenarbeit mit der Polizei, […] um eure kultur- und gesellschaftspolitischen Ziele und Anliegen zu realisieren“ mit eurer Gewaltlosigkeit unter einen Hut bringen könnt. Im rechten Moment den Knüppel unter der Telefonnummer 133 ordern, und ganz rechtstaatlich reindreschen lassen? Dawischts halt meistens die eigenen Leute mehr als die anderen. Gewaltlosigkeit neu interpretiert?
Wenn sich der gesellschaftliche Backlash ankündigt, schafft ihr nun für ihn jene Widerstände aus dem Weg, die ihn noch aufhalten könnten. Damit gehts dann einfach noch schneller bergab und dann machts WUMMS. Schaut dann vielleicht jede_r recht blöd aus der Wäsch wenn’s dann auch wirklich passiert, aber mensch kann dann ja auch was superdolles draus aufbauen :/ Ach kommt…
„Froh zu sein bedarf es wenig, und wenn ihr die grauzone wieder aufnehmt seid ihr König_in“ besagt schon ein altes Lied und euch fällt bestimmt kein Zacken aus der Krone wenn ihr eure Entscheidung rückgängig macht. Unter den momentanen gesellschaftlichen Verhältnissen den Ausschluss weiterhin aufrecht zu halten ist schlicht und ergreifend dumm.
Gscheid grantig,
KV Infoladen Salzburg